DIE KUENRINGER IN SAGE UND LEGENDE
1. Historischer Kommentar
Die Kuenringer waren ein Ministerialengeschlecht, das im Umkreis derBabenberger in verschiedenen Funktionen und mit wechselnden Vorzei-chen auftrat. Urkundlich zum ersten Mal faßbar werden sie 1056, alsAzzo, welcher serviens des Markgrafen Ernst genannt wird, in einemOrt namens Hecimanneswisa mit drei Königshufen belehnt wird. DieserAzzo gilt als der Stammvater des Geschlechts. Der Name Kuenring,der vom Ort Kühnring bei Eggenburg abgeleitet wird, erscheint in denUrkunden erst um 1130. Um diese Zeit war bereits eine verzweigteFamilie vorhanden, deren Mitglieder sich nach Gobelsburg, Zöbing,Hetzmannswiesen, Brunn, Gars und Allentsteig benannten. Sie waren dieTräger babenbergischer Expansionspolitik und kolonisierten nach undnach das gesamte Waldviertel. Ein sehr wichtiger Schritt dabei war dieGründung des Zisterzienserstiftes Zwettl durch Hadmar I. im Jahre1137. Durch die Förderung der Kuenringer und das Wohlwollen derBabenberger entwickelte sich Zwettl rasch zu einem geistigen und wirt-schaftlichen Zentrum. Im 12. Jahrhundert setzten die Kuenringer wei-tere Herrschaftsschwerpunkte, einerseits im Donauraum um Aggsteinund Dürnstein und andererseits im Nordwald um Weitra. Die Baben-berger verliehen den Mitgliedern des Geschlechts verschiedene erblicheHofämter, und damit stieg ihr Einfluß und ihre Bedeutung immer mehr.Sie hatten das Marschallamt und das oberste Schenkenamt inne undregierten das Land in Abwesenheit des Herzogs. Heinrich I.( III.)wurde 1229/30 rector totius Austriae genannt. Seinen Bruder Had-mar III. findet man häufig auf Reisen im Auftrag Herzog Leopolds.Die Kuenringer waren am Höhepunkt ihrer Macht angelangt. Jedochdas Verhältnis zwischen Landesfürst und Ministerialen war nicht unge-trübt. Diese wollten vor allem mehr Unabhängigkeit, da sie durch ihrenStatus als Dienstadel in ihren Rechten trotz aller Macht beschränktwaren. Der Landesfürst sah durch den stetigen Aufstieg der Ministeria-len seine eigene Stellung gefährdet. So kam es zur Krise, als Leopold1230 starb und der noch sehr junge Friedrich II. seine Nachfolge antrat.Die Ministerialen des Landes nützten die Gelegenheit und erhoben sich
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