2. Die Volksüberlieferung über die Kuenringer
Bereits das erste Auftreten der Kuenringer im Waldviertel durch denlegendären Azzo ist von einem Traummotiv begleitet, wie es in derVolksüberlieferung des Mittelalters nicht selten vorkommt. Azzo, derals Stammvater der Kuenringer gilt, erscheint urkundlich zum erstenMal im Jahre 1056, zu Zeiten des Markgrafen Ernst( 1055-1075), alser mit drei Königshufen zu Hetzmannswiesen belehnt wird 1. DieserAzzo wurde auf Bitten des Markgrafen Leopold, der sich in höchsterBedrängnis befand, da die umliegenden Völker sein Land bedrohten,von dessen Bruder, dem Bischof Poppo von Trier, in die Ostmark ge-sandt, um Leopold beizustehen. Noch bevor Azzo das Bistum verließ,hatte er eine Traumvision. Er sah, wie Bären, wilde Schweine und an-deres greulich Getier 2 das Land, in das er ziehen sollte, besetzten undverwüsteten. Als er vom Traum erwachte, war er sehr beunruhigt überdessen Bedeutung, doch eine Stimme hieß ihn nicht zu verzagen undprophezeite ihm den Sieg über die wilden Tiere. Das machte ihm Mut,und er setzte seinen Weg nach Österreich fort. Hier empfing ihn Mark-graf Leopold mit Freuden, machte ihn zum Marschall, und er errangeinen glänzenden Sieg über die Feinde. Daraufhin überhäufte ihnLeopold mit Ehren, vermachte ihm ein Lehen, hohe Ämter, gab ihmeine edle Gemahlin und hielt ihn so im Lande. Das berichtet uns diedeutsche Reimchronik in der berühmten„ Bärenhaut" 3.
Dieses Stifter- Buch( liber fundatorum), eine„ Mischung zwischen ur-kundlicher und erzählender Geschichtsquelle" 4, entstand in der ersten
1 Karl Brunner, Die Kuenringer. Adeliges Leben in Niederösterreich.( Wissen-schaftliche Schriftenreihe Niederösterreich 53) St. Pölten- Wien 1980, S. 8.Über die Anfänge der Kuenringer in Niederösterreich siehe auch:
Karl Brunner, Die Herkunft der Kuenringer. In: MIOG 86( 1978) S. 291 ff.2 Johann von Frast, Das Stiftungen- Buch des Cistercienser- Klosters Zwettl.Fontes rerum Austriacarum II/ 3, Wien 1851, S. 5 f.
3 Codex Zwetlensis Archiv 2/1.
In den Fontes rerum Austriacarum II/ 3 im Jahre 1851 durch Johann Frastunter dem Titel„ Das Stiftungen- Buch des Cistercienser- Klosters Zwettl"herausgegben.
Unveränderter Nachdruck 1964.
In der Folge zitiert als Lib. fund.( Liber fundatorum).
Irreführenderweise als„ Bärenhaut" bezeichnet aufgrund des Einbandes ausdem Leder eines Wildschweinebers( Saubären). Eber
Ausführlich mit dem Stifterbuch befaßte sich:
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mhd. bêr.
Michael Tangl, Studien über das Stiftungsbuch des Klosters Zwettl. Archiv fürÖsterreichische Geschichte 76( 1890), S. 261 ff.
Eine Faksimile- Ausgabe der Handschrift, begleitet von einem Kommentarband,bereiten Karl Brunner und Joachim Rössl vor.
4 Brunner, Herkunft der K., S. 291, siehe Anm. 1.
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