Möderingers gern, was aber dem Bruder nicht behagte, daher er ihmderbe Vorwürfe machte. Der Bruder, von Leidenschaft verblendet, sannauf Mord. Um diesen auszuführen, lud er den Möderinger zu sich zumImbiß, welche Einladung dieser auch arglos annahm und mit seinemsechsjährigen Sohne bei ihm erschien. Als nun der Möderinger mit sei-nem Knaben nach seiner Burg wieder heimkehren wollte, wurde erüberfallen und gemordet, den Knaben aber ließ man laufen. Bei seinerNachhausekunft sagte dieser aus, er habe von den feilen Mordgesellenverstanden, daß sie von seinem Ohm zum Morde seines Vaters gedungenwaren. Dem Ohm konnte indes doch nichts erwiesen werden und er bliebdem äußeren Anschein nach ruhig auf seiner Burg sitzen; in seinemInnern tobte es aber in kurzer Zeit nach der blutigen Tat umso un-ruhiger. Als er sein Ende nahen fühlte, ließ er den nun herangewach-senen Neffen zu sich rufen; dieser aber verweigerte es, dahin zu kom-men, weil er geschworen hatte, nie die Türschwelle des Hauses seinesOhms mehr zu betreten. Der Ohm ließ ihn nochmals zu sich bittenund ihm bekannt machen, er wolle ihn zum Erben einsetzen. Der Neffekam auch diesmal nicht. So starb denn der Ohm; der Neffe kam jetztund machte folgenden Gebrauch von den ererbten Gütern: Das Schloßbefahl er sogleich niederzureißen und die Steine gab er allen frei, dieLust hatten, sich dort anzusiedeln. Den neuen Ort nannte er Mörders-dorf, verkaufte ihn aber sogleich mit dem Bedinge, daß der Käuferdiese Ortsbenennung beibehalten müsse; den Kaufschilling aber gab erzu frommen Stiftungen hin, die arme Seele seines Oheims zu erlösen.( Aus: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz. Wien 1924, Band 2,S. 227)
Nr. 25
Wie Mörtersdorf zu seinem Namen kam
Zwei Brüder aus dem Geschlechte der Kuenringer, der eine hatte seineBurg bei einem Orte, der heute Mödring heißt, der andere bei einem,der heute Mörtersdorf benannt ist, waren uneins geworden, weil derMörtersdorfer in den Besitz der Frau des Mödringer kommen wollte.Um die Frau zu erlangen, lud er einmal deren Mann, nebst dessenjungen Sohn, zu sich auf seine Burg zu Gaste und gab dann seinenKnechten den Auftrag, den Heimkehrenden zu überfallen und zu er-schlagen, dem Sohne aber nichts zu tun. Das geschah auch. Später reuteden Mödringer die Tat und er lud den Neffen mehrmals ein, zu ihmzu kommen, da er ihn zum Erben seines Besitzes einsetzen wolle. Doch
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