würdigen Traume heimgesucht. Er befand sich in einem von Wäldernbedeckten Talgrunde am Kamp. Feld und Wald, Tal und Höhen warentief verschneit und der Kamp trug eisige Fesseln. Da wuchs plötzlich,von wunderbarem Lichte erhellt, aus dem Boden ein Kirchlein emporund stieg hinauf zur neblichten Höhe. Unter dem Gotteshause zeigtesich inmitten der mit Schnee und Eis bedeckten Bäume eine grüne Eiche,die vom Schnee verschont geblieben war. Während sich die Landschaftim goldigen Lichte erhellte, zeigte sich über dem Kirchlein in hohenWolken die„ Liebe Frau", vom Glanze des Lichtes überflutet. IhreHand wies hinunter zur grünenden Eiche, während ihre liebliche, engel-gleiche Stimme aus dem Wolkenreiche rief:„ Du frommer Mann, gehekampabwärts, bis du diesen stillen Talgrund gefunden hast! Dort wirstdu inmitten schneebedeckter Bäume den grünen Baum finden; an seinerStelle baue das geplante Gotteshaus!" Während die himmlische Stimmein den Wolken verklang, löste sich die anmutige Gestalt allmählich auf,die Kirche und das winterliche Tal zerrannen im Nebel und das Traum-gebilde verschwand. Erfüllt von der himmlischen Fügung eilte Hadamarzu einem der Mönche und erzählte seinen Traum. Doch, o Wunder!Auch der Mönch hatte in seiner Betrachtung dieselbe Erscheinung. Ge-treu der höheren Vermittlung fanden sie am Neujahrstage des folgen-den Jahres mitten unter den beschneiten Bäumen die grünende Eiche.Daraufhin erbauten sie an der Stelle des Baumes das Stift.
Noch heute erinnert die Eiche auf dem Hochaltare und ein Glasgemäldeim Kreuzgange an die liebliche Legende.
( Aus: Josef Pöttinger, Niederösterreichische Volkssagen. Wien 1950, S. 254 f.)
Nr. 19
Die grüne Eiche im Schnee
Der Ritter Hadmar von Kuenring ritt einmal mitten im Winter durchdas obere Kamptal im Waldviertel. Damals bedeckten noch ungeheureUrwälder das ganze Land, Bären und Wölfe hausten darin und dieMenschen drängten sich ängstlich in einigen wenigen Siedlungen zu-sammen, damit sie in diesem Wäldermeer nicht ganz verloren gingenund verkamen.
Hadmar sprach zu seinem Begleiter, dem Abt von Heiligenkreuz:„ Ichwill in dieser Gegend ein Stift gründen, und deine Mönche sollen denarmen Menschen in den Wäldern die Rodung und den Ackerbau lehren.Dann öffnet sich auch dieses Wälderland der Ansiedlung meiner Unter-tanen immer mehr."
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