auf, um die Kuenringer als Prototypen der Aufrührer gegen die fürst-liche Macht und mit ihnen alle ungetreuen Ministerialen zu diffamie-ren, und um gleichzeitig die Festigkeit, Tapferkeit und Gerechtigkeit desjungen Landesfürsten zu demonstrieren.
In der im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreicherscheinenden Literatur über die Babenberger erscheinen die Kuenringerimmer wieder als die Gegenspieler der Babenberger und sind als solcheäußerst willkommen, um den Glanz der Landesfürsten umso heller er-strahlen zu lassen 73. Es entstehen aber auch genügend Werke, in denendie Kuenringer als Hauptpersonen erscheinen. Die meisten dieser Dar-stellungen stützen sich auf Historiographien, in denen die Kuenringerals machtgierige Adelige gezeichnet werden 74. Man findet Balladen 75und Gedichte 76, die das Geschehen um den Ministerialenaufstand unddas angebliche Geschehen um Hadmars Gefangennahme bei Aggsteinmehr oder minder variiert darstellen. Einmal ist es die kluge List desKaufmanns Rüdiger, die Hadmar zu Fall bringt, ein andermal wird derEinfall gar Friedrich II. selbst zugeschrieben. In den bereits mehrfachgenannten niederösterreichischen Sagensammlungen des 19. und 20. Jahr-hunderts wird man zum Thema„ Hunde von Kuenring" ebenfalls fün-dig 77. Sie sind eine getreue Spiegelung der Rezeption des Stoffes in der
73 Z. B. Emil Scholl, Der letzte Herzog. Wien 1923.
Das Verbergen der Gewappneten im Kaufmannsschiff wird hier mit der Listum das trojanische Pferd verglichen.
74 Vgl. Zawrel, Das Nachl. d. K., S. 14, Anm. 69 Wissgrill und Anm. 117Herchenhahn, siehe Anm. 21.
75 Vier Balladen über den Aufstand der„ Hunde von Kuenring" gegen Fried-rich den Streitbaren von Carl Gottfried von Leitner im Taschenbuch für vater-ländische Geschichte 1827.
J. N. Vogl, Balladen, S. 16 ff., siehe Anm. 48.
76 Anton Joseph Liszt, Ergo Bibamus! Feuchtfröhliche Lieder. Hamburg 1891,S. 37 f.
L. G. Ricek, Im Banne der goldenen Wachau. Melk 1905, S. 37 f.
77 Ludwig Foglar, Donausagen vom Ursprung bis zur Mündung des Stromes.Wien 1860, S. 143 ff.
Karl M. M. Specht, Donausagen, den Reisenden zwischen Linz und Wien ge-widmet. Wien 1869, S. 63 ff.
L. G. Ricek, Wachauer Sagen. Wien 1911, S. 23 ff.Josef Wichner, Wachausagen. Krems 1916, S. 59 ff.Kießling, Frau Saga, Bd. 5, Nr. 117, siehe Anm. 42.
Hans Plöckinger, Sagen aus der Wachau. Krems 1926, S. 39 f.
Mailly, NO. Sagen, Nr. 236, siehe Anm. 49.
Josef Pöttinger, Niederösterreichische Volkssagen. Wien 1950, S. 202 f.
Josef Pöttinger, Donausagen. Wien 1964, S. 111 f.
Franz Braumann, Sagenreise durch Niederösterreich. St. Pölten 1976, S. 142 ff.Karl Haiding, Alpenländischer Sagenschatz, Wien- München 1977, Nr. 236,S. 266.
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