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Die Kuenringer in Sage und Legende
Entstehung
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ale Leutolds III. von Kuenring gewesen sein soll. Johann Georg III.von Kueffstein hat die Herrschaft tatsächlich erworben( 1576). Das be-treffende Gnadenbild ist zum ersten Mal 1636 erwähnt und vermutlichdurch Johann Wilhelm von Kueffstein, der 1636 im Rheinland kämpfte,gestiftet worden 65. Die Darstellung der Maria ist auffällig durch denUmstand, daß ihre rechte Hand sechs Finger aufweist. Diese Mißbildungwurde nun kurioserweise als Erbübel der Kuenringer dargestellt, die an-geblich durch die Stiftung besagten Bildes diesem abhelfen hätten wol-len. Wäre eine solche Mißbildung bei den Kuenringern tatsächlich vor-handen gewesen, so ist es doch kaum denkbar, daß in keiner einzigenQuelle davon auch nur eine Erwähnung gemacht worden wäre. Außer-dem ist zu bemerken, daß zur Zeit der ersten Erwähnung des Gnaden-bildes 1636 der Letzte aus dem Geschlecht der Kuenringer bereits seitzweiundvierzig Jahren tot war. Interessant und vorläufig ungelöst bleibtalso die Frage, wer daran Interesse gehabt hat, die Kuenringer ein halbesJahrhundert nach ihrem Aussterben auf diese Weise zu diffamieren.Die Legende weiß zu berichten, daß der Maler des Bildes- es soll einMeister Veit aus Pöchlarn gewesen sein der Madonna irrtümlicherweisesechs Finger an der rechten Hand gemalt habe. Trotz größter Mühen seider Fehler nicht mehr zu korrigieren gewesen, und so habe der Meisterausgerufen: Maria, lach jetzt zu deinen sechs Fingern!" Eine andereVersion besagt, daß der Maler die sechs Finger in frevlerischem Sinneangebracht habe und dazu höhnisch dem Bild zugerufen habe: Lach!" 66Mittelalterliche Malereien mit der Darstellung von sechs Zehen sindmehrere bekannt, so zum Beispiel in Gurk und Maria- Wörth.

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Das Schloß und der Ort Gobelsburg sind mit den Kuenringern in derenFrühzeit auf das engste verknüpft. An manchen der ehemaligen Kuen-ringer- Besitzungen haften sagenhafte Motive, die bei anderen Burgenund Schlössern ebensogut auftreten. In diesem Fall handelt es sich umein sogenanntes Bauopfer 67, ein über die ganze Erde bei allen Völkernaller Kulturstufen verbreiteter Brauch. Der Glaube, daß jeder Neubauein Opfer fordere, ist bis heute verbreitet. Die Beschwichtigung derÜberirdischen durch ein Opfer an den genius loci ist bei allen europäi-schen Völkern im Mittelalter bekannt. Vorchristliche Funde bezeugendie Einmauerung von Menschen, vornehmlich Kindern, aber auch Ge-

65 Hans Aurenhammer, Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichsin der Barockzeit. Der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung. Wien1956, S. 132 ff.

66 Vgl. Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Wien1955, Bd. 2, S. 106 f.

67 Alfred Bertholet, Wörterbuch der Religionen. Stuttgart 1952, S. 63.

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