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Die Kuenringer in Sage und Legende
Entstehung
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Traum und der sich darin offenbarende göttliche Wille sind Ausgangs-punkt für die Handlungsentwicklung. Der später gefundene grünendeBaum ist das sichtbare äußere Zeichen für die Wahrhaftigkeit des Trau-mes. Der Baum und das Kreuz sind die Beweise, daß die Vision wirklichstattgefunden hat.

Dichterische Verwendung von Traummotiven finden wir bereits in anti-ken und altnordischen Dichtungen, aber erst im Mittelalter werden siedurch christliche Züge erweitert. Im 11. und 12. Jahrhundert entstehteine christlich- geistliche Traumauffassung, in der an der Oberfläche fürden alten Schicksalsglauben kein Platz mehr ist. Gott kommt den Men-schen auf wunderbare Weise entgegen, deutet künftiges Geschehen anund gibt Anweisungen in Form von Erscheinungen und Visionen. DieMittler können Maria sein, oder Engel oder Heilige. Gott und Himmelsind für den Menschen des Mittelalters nah erlebte Wirklichkeit, undüberirdische Enthüllungen oder Weissagungen werden als natürliche Er-eignisse empfunden. Das einfache Denken setzt Träume gleich fürRealität. Was im Traum vorkommt, kann genausogut Wirklichkeit sein,bzw. ist eine Voraussage für kommendes Geschehen. Der Volksglaube istfür alles Wunderbare aufgeschlossen. Im volkstümlichen Bereich stehenGott und Mensch einander sehr nahe, sodaẞ Maria mit Hadmar ganzunbefangen spricht. Die religiöse Aussage wurde durch eine Allegorieverschlüsselt, aber diese Traumbilder stehen ohne Deutung oder Erklä-rung in der Bärenhaut, weil sie für den Menschen der Zeit natürlichund verständlich waren.

Die Bezeichnung des Ortes, an dem das neue Kloster entstehen sollte,durch seinen Baum ist ein vielfach gebräuchliches Motiv. Eine große An-zahl niederösterreichischer Wallfahrtsorte und Andachtsstätten gehtauf Baumverehrung zurück 33. Der Wald gilt überhaupt als klassischeLandschaft für wundersame Ereignisse. Auf die immense Bedeutung desBaumes als religiöses Symbol ist bereits wiederholt hingewiesen wor-den 34. Der Baum des Lebens, der Erkenntnis, das Kreuzesholz, erscheintimmer wieder in der Überlieferung. Aber die Verehrung des Baumesgeht natürlich weit in vorchristliche Zeiten zurück. Bäume wurden imOrakelwesen verwendet, sie galten als weissagend, sie konnten beseeltsein und Schmerzen empfinden 35. In der christlichen Überlieferung fin-det man vielfach die Sprache Gottes in der Natur verschlüsselt. In den

33 Friederike Gorski, Baum und Quelle in ihrer Bedeutung für den niederöster-reichischen Volksglauben. In: Unsere Heimat. Hg. v. Karl Lechner, NeueFolge VII, Wien 1934, S. 106 ff.

34 Jörg Kastner, Historiae fundationum monasterium.( Münchener Beiträgezur Mediävistik und Renaissanceforschung 18) München 1974.

35 HDA Bd. 1, Sp. 954 f., siehe Anm. 12.

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