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Die Kuenringer in Sage und Legende
Entstehung
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Sie erzählt vielfach von Personen( hauptsächlich Märtyrer, Heilige), diedurch wilde Tiere vernichtet werden sollten, aber dann auf wunderbareWeise gerettet wurden.

In unserem Fall deuten die wilden Tiere, die Eber und Bären höchst-wahrscheinlich auf die unbestimmten Gefahren hin, welche Azzo imOsten in Gestalt von feindlichen Böhmen und Ungarn erwarten. Azzofühlt sich durch den Traum beunruhigt. Er überlegt, ob er nicht von derUnternehmung zurücktreten soll, aber als ihm durch eine Stimme" derSieg prophezeit wird, läßt er sich auch durch die Gefährten nicht mehrzurückhalten. Dem anfänglichen Zögern folgt die mutige Tat, welchein der Bärenhaut entsprechend gewürdigt wird. Volkstümliche Auffas-sungen und abergläubische Vorstellungen, daß Träume warnen sollen,sind keine Seltenheit. Die Warnung wird allerdings nicht unmittelbarausgesprochen, sondern geschieht mit Hilfe symbolischer Bilder, in die-sem Fall durch die wilden Tiere. Für den mit mythischen SymbolenVertrauten, und das waren die Mönche zur Zeit Ebros zweifellos, trittdie Warnung offen zutage. In der Ruodlieb- Dichtung( 9.- 10. Jh.)kommt ein ähnliches Traumbild vor, in dem Ruodlieb ebenfalls Siegerbleibt im Kampf gegen Eber und Sauen.

Frieß vertritt in seiner nach wie vor einzigartigen Übersicht über dieKuenringer 14 die Ansicht, daß die Erzählung auf die kriegerische Tateines tapferen österreichischen Ritters zurückzuführen ist, die sich imBewußtsein des Volkes jener Gegend erhalten hat. Er vermutet, daß eindankbarer Mönch aus dem Stift Zwettl, der seines Hauses Stifter ehrenwollte, dieses Motiv auf Azzo übertragen habe. Beweisbar ist eine solcheAuffassung nicht so leicht.

Es ist erstaunlich, daß der Ahnherr des Geschlechtes der Kuenringereigentlich nur relativ wenig in die Volksüberlieferung und auch in dieliterarische Überlieferung Eingang gefunden hat. Außer den Darstellun-gen in der Bärenhaut 15 findet sich das Motiv nur in der Kuenringerer-zählung von C. W. Huber 16, der sich auf die Bärenhaut als Quelle be-ruft. Die Darstellung in der Niederösterreichischen Landestopographie 17stützt sich ebenfalls auf das Stifterbuch, und auch die leicht variierte

14 Gottfried Edmund Frieß, Die Herren von Kuenring. Wien 1874, S. 3 undS. 57.

15 Der Traum Azzos findet sowohl in der lateinischen Reimchronik( Lib. fund.,S. 23 f.) als auch in der etwas später verfaßten deutschen Versfassung( Lib.fund., S. 5 f.) seinen Niederschlag.

16 Christian Wilhelm Huber, Die Kuenringer. In: Vesta. Taschenbuch für dasJahr 1834, S. 22 ff.

17 Topographie von Niederösterreich. Hg. vom Verein für Landeskunde vonNiederösterreich, Wien 1903, Band 5, S. 569 ff.

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