die Kremsmünsterer Mönche und die Bevölkerung in und um Adl-wang der Wunderkraft des heimatlichen Gnadenbildes zugeschrie-ben, wodurch es rasch in den Ruf einer Pestabwehrerin gekommenist. Dieser Ruf verbreitete sich schnell in Verwandten- und Bekann-tenkreisen der Bewohnerschaft des oberösterreichischen Traunvier-tels und darüber hinaus durch das ganze Land und noch weiternach Osten hin bis in die kaiserliche Reichshaupt- und ResidenzstadtWien, wie bereits angedeutet worden ist. In den großen Wallfahrer-zulauf, der nun in Adlwang einsetzte, geben die bereits vorhin nachFreyd gebrachten Angaben über die wichtigsten Gemeinschafts-wallfahrten im Jahre und über die ungefähre Zahl der Teilnehmeran denselben einen beiläufigen Einblick. Rechnet man darnach dieZahl der jährlichen Teilnehmer an diesen Prozessionen am Beginneder achtziger Jahre des XVII. Jahrhunderts auf rund 8000, so darfman wohl die Gesamtfrequenz eines Jahres auf etwa 10.000-12.000Wallfahrer damals veranschlagen. Guppenberger gibt für das Jahr1687 daselbst 7202 Kommunikanten an. Im Jahre 1700 kommunizier-ten daselbst bereits 16,339 Personen 23). Es ist begreiflich, daß fürdiesen Pilgerzustrom in der Hauptwallfahrtszeit 4-5 Wallfahrts-priester schwer ausreichten. 1679 wurde in der Person des P. Got-hard Freyd der erste ständige Priester, 1683 neben ihm ein zwei-ter und 1697 drei ständige vom Kremsmünsterer Abte Erenbert II.in Adlwang bestellt 24). Im Jahre 1700 begründete der gleiche Abtein Superiorat mit einem Pönitentiarhause für 4 Beichtväter 25).Solche Superioratgründungen trifft man bei im Aufblühen begrif-fenen Wallfahrtsorten Österreichs während der Barockzeit häufigan. Wir weisen beispielsweise auf die Errichtung eines solchen inMariahilf in Wien durch den Barnabitenpropst zu St. Michael inWien hin 26).
Guppenberger nennt als Durchschnittszahl der jährlichen Kom-munikanten in Adlwang für das XVIII. Jahrhundert rund über 30,000,ohne eine nähere Zeitangabe hinzuzufügen. Er benützte hiefür jeden-falls die im Pfarrhofe zu Adlwang vorhandenen Kommunikanten-listen 27), nach welchen er die Feststellung machen konnte, daß imJahre 1755 mit 46,764 Kommunikanten die Höchstzahl erreichtwurde. Er führt sie auf das Bekanntwerden eines neuen wunder-tätigen, 1749 in der Adlwanger Kirche aufgestellten Ölgemäldes zu-rück, das den dornengekrönten Christus darstellte. 6 Jahre nach derAufstellung dieses Gemäldes wurde angeblich ein Blutschwitzendieses Christusbildes beobachtet. In den Ruf eines mirakulösen Gna-denbildes kam diese Christusdarstellung auch just dadurch damals,da sich seine Wunderkraft in den Augen des gläubigen Volkes inGebetserhörungen offenbarte. Obwohl über die Statistik der Wall-fahrtsfrequenz der Gnadenorte von Österreich ob der Enns vomXVII. Jahrhunderte herwärts noch keine durch Quellen unterbaute
23