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Was mir der alte Mann erzählte : Märchen aus d. Burgenland
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Nachwort

Die Märchen, die in diesem Buche stehen, sind ebenso wie dieGrimmschen Kinder- und Hausmärchen deutsches Volksgut. Es istaber ein wenig bekannter und beachteter Teil des deutschen Volkes,dem sie entstammen; sie kommen von einem Grenzland, aus demOften, und zwar von jenen Ansiedlungen deutscher Bauern, die sichseit uralter Zeit in das ungarische Land vorgeschoben und ein an-sehnliches Stück Kulturarbeit geleistet haben. Ein größerer Zeildieses Gebietes, freilich ohne seine Hauptstadt Ödenburg, ist jetzt als,, Burgenland" an Österreich angegliedert und hat damit den Zu-sammenhang mit dem deutschen Mutterland wiedergewonnen.Edelstes an deutscher Musik ist uns von dort gekommen; JosephHaydn war ein Kind dieses Landes. Auch Franz Liszt war dort zuHause. Das gewerbfleißige, tüchtige und fröhliche Völkchen ist derAufmerksamkeit und Liebe der Bruderstämme wert, und es ist inletzter Zeit auch manches geschehen, es besser ins Blickfeld der Deut-schen zu rücken. Es haben sich dort, auch durch eine gewisse Abge=schlossenheit, manche Überlieferungen an Sprache, Sitte und Volks-glauben erhalten, und davon legt auch dieses Büchlein Zeugnis ab.Zwei Männer sind es, denen wir die Aufzeichnung dieser Kinder-märchen verdanken.

Der eine, J. R. Bünker, hat seinem Namen eben durch die Tätig-keit, die ihn zum Aufschreiben von Volksmärchen führte, nämlichdurch seine volkskundlichen Forschungen, einen sehr guten Klang zuerwerben gewußt. Ohne zu wissenschaftlichem Beruf geradezu aus-gebildet zu sein, hat er durch Liebe zur Sache und vorbildliche Gründ-lichkeit der Wissenschaft wertvolle Dienste geleistet, und gelehrte Ge=

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