Als die Alte dies gesprochen, öffnete der König die Tür des Neben-zimmers und führte die beiden Geschwister in den Saal. Zur Hereaber sprach er:„ Du hast dir und deiner Tochter das Urteil bereitsgesprochen, und es soll an euch auch alsogleich vollzogen werden."
Hiermit übergab er die Wirtin und ihre Tochter den Henkern, undseine schöne Braut führte er noch desselbigen Tages zum Traualtar,Eduard aber machte er zu seinem obersten Stallmeister.
10. Der Husar
Es war einmal ein König, der war sehr reich. In seiner Schatz-kammer hatte er die kostbarsten Geschmeide und Schüsseln, Teller undPokale aus Gold in großer Zahl. Gold und Silber lagen in mäch-tigen Haufen da, und edle Steine waren in großer Menge vorhanden. Vor dem Hause aber, in dem sich die Schatzkammer befand,mußte jede Nacht ein Soldat Wache halten.
Nun geschah es aber, daß man seit einiger Zeit jeden Morgen denWachposten erschlagen fand, und jedesmal fehlte aus der Schatzkammer einer der wertvollsten Gegenstände. Dem Übeltäter konnte manaber nicht auf die Spur kommen, nur die armen Soldaten zittertendavor, zur Schatzkammer auf die Wache kommandiert zu werden.
Da traf die Reihe einen Husaren. Der war unerschrocken, stets volllustiger Einfälle und immer zu tollen Streichen bereit. Er bat sichvon seinem Rittmeister nur die Erlaubnis aus, sein Pferd auf dieBache mitnehmen zu dürfen, dann, meinte er, werde er mit demBösewicht, der die vielen Kameraden erschlagen und die Schatz-kammer geplündert habe, schon fertig werden. Der Rittmeister er-laubte ihm dies. Als es nun Abend zu werden begann, sattelte derHusar sein Roß und führte es mit sich auf die Wache vor die Schah-kammer. Dort zog er seinen Säbel und rizte mit der Spize desselbeneinen großen Kreis um das Pferd in die Erde. Innerhalb des Kreisesrigte er noch ein Kreuz in den Boden ein. Dies tat er, damit ihm
73