1. Hasen- Hänschen
Es war einmal ein König, der hatte eine wunderschöne Tochter.Er besaß auch einen Stall und darinnen eine Herde von dreihundertHasen. Der König verstand aber auch ein wenig von der schwarzenKunst und war nicht wenig stolz darauf.
Eines Tages ließ der König im ganzen Lande verkünden, daß der-jenige seine Tochter zur Frau haben solle, der es vermöge, seineHasenherde drei Tage zu weiden, ohne auch nur einen einzigen Hasenzu verlieren. Wer jedoch nur einen der dreihundert Hasen verliere,müsse diesen Verlust mit seinem Leben büßen.
Es meldeten sich in der ersten Zeit viele, um durch die Lösungdieser Aufgabe die Hand der schönen Prinzessin zu gewinnen. Dochjeder der Waghalsigen mußte sein Leben lassen, weil oft die ganze,manchmal die halbe Herde und hie und da auch nur einzelne Häs-chen von der Hasenweide verschwanden. Nach und nach blieben dieFreier aus, denn es wollte sich keiner mehr finden, der das gefähr=liche Wagestück unternehmen sollte.
Endlich meldete sich beim König noch ein junger Bauernburschean. Der hieß Hans, doch weil er schmal und zart war, nannte manihn allenthalben nur das Hänschen.
Der König zählte Hänschen die Hasen Stück für Stück vor undentließ ihn dann auf die Weide.
,, Wenn dir aber auch nur ein Hase entspringt," warnte der König,,, so wirst du um einen Kopf fürzer gemacht."
Hänschen war wachsam, behielt seine Augen offen und achtete gutauf jedes Häschen. Als es Mittag geworden war und sich die Hasensatt gefressen hatten, lagerten sie sich um ihren Hirten und begannen
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