15. Der General und seine Schwester
Es lebte einst ein General, der war der Sohn armer Bauersleuteund war schon zwanzig Jahre vom Vaterhause fern. Als er nachdieser langen Zeit wieder einmal in sein Dörfchen kam, waren seineEltern schon gestorben. Im Vaterhause aber fand er eine Schwester,die war achtzehn Jahre alt und war erst auf die Welt gekommen,nachdem er in die Fremde und in den Krieg gezogen war.
,, Liebe Schwester," sprach der General zu ihr ,,, da unsere Elternschon tot sind, bindet uns nichts mehr an das Dorf. Ich will dich mitmir nehmen in die große Stadt, dort sollst du bei mir wohnen undmir durch deine schwesterliche Liebe mein Leben versüßen."
Er kaufte seiner Schwester ein Pferd, setzte sie darauf, dannmachten sie sich auf den Weg in die Stadt. Sie mußten durch einengroßen Wald. Sie ritten darin bis zum späten Abend. Da sie nichthinaus kamen, merkte der General wohl, daß sie den rechten Wegverfehlt und daß sie sich verirrt hatten. Sie ritten in der Dunkelheitnoch ein Stück weiter, da erblickten sie auf einmal ein Licht. Sieritten demselben zu und kamen vor ein Haus. Als sie eintraten, kamihnen eine alte Frau entgegen.
,, Ihr seid zur letzten Station gekommen!" rief sie ihnen zu.,, Wie meint Ihr das?" fragte sie der General.
,, Ach, lieber Herr," antwortete das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib ,,, Ihr seid in eine Räuber-höhle geraten und werdet hier Euer Leben lassen müssen."
,, Will es Gott," sagte der General ,,, so soll es sein. Ewig kann mandoch nicht leben."
Das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib reichte ihnen etwas Speise und Trank. Währenddemkamen die Räuber nach Hause.
,, Esset und trinket nur," sprach der Anführer höhnisch, denn Ihrlasset mir doch Euer Geld dafür und das Leben obendrein, denn heutehabt Ihr den letzten Tag gelebt."
Der General bat sich noch eine Flasche Wein aus. Man brachte sie
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