14. Undank ist der Welt Lohn
Es war einmal ein Hühnerkrämer, der trug in einem Rückkorbjunge Hühner auf den Markt. Der Weg führte ihn durch einen Wald.In der Mitte des Waldes stand eine Bank am Wege. Dort stellteer seinen Korb ab und wollte sich ein wenig ausruhen.
Er saß kaum, da hörte er ganz in der Nähe eine Stimme rufen:,, Hilf mir, ich helfe dir auch!"
Er sah sich um, und als sich dieser Ruf wiederholte, gewahrte er,daß die Stimme unter einer großen Steinplatte hervortönte, dieneben der Bank auf der Erde lag.
Er trat hinzu und hob die Platte auf. Da sah er zu seinem Schrecken,daß unter ihr eine riesig große Schlange verborgen war. Die Schlangeerhob ihren Kopf und blickte ihn mit falschen Augen an.
,, Gut," sprach sie ,,, du hast mir geholfen, und ich helfe dir auch.Ich helfe dir aber vom Leben zum Tode, denn ich will dich fressen.",, Wie kannst du das tun," jammerte der erschrockene Mann ,,, da ich dichdoch gerade in meiner Gutmütigkeit vom sicheren Tode errettet habe?",, Ja, weißt du denn nicht," entgegnete die Schlange ,,, daß Undankder Welt Lohn ist?"
,, Nein," sprach der Hühnerkrämer ,,, ich kann nicht glauben, daßUndank wirklich der Welt Lohn ist, es müßte erst jemand kommen,der mir dies bestätigt."
Da trabte gerade ein Füchslein daher.
,, Füchslein," sprach der Hühnerkrämer ,,, die Schlange sagt, daßUndank der Welt Lohn sei. Du bist ein kluges Tier und wirst mirsagen können, ob dies wahr ist."
,, Die Schlange irrt, es ist nicht wahr," antwortete der Fuchs. Dannsetzte er zur Schlange gewendet fort:„ Ich frage aber dich, Schlange,von wo kamst du hierher?"
,, Ich lag unter jenem Stein in dieser Grube," entgegnete dieSchlange.
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