11. Dumm und noch dümmer
Ein Bauer hatte zwei Töchter, die arbeiteten eines Tages mit ihmauf dem Felde. Die Sonne brannte heiß, und der Bauer wurdedurstig. Da schickte er seine jüngere Tochter zum Brunnen umWasser.
Als sie ihren Krug gefüllt hatte, blickte sie hinab in den tiefenBrunnen und sprach: ,, Ach, wenn mein Hänschen in diesen Brunnenfiele, müßte es wohl ertrinken."
Und als das Mädchen weiter dachte, daß es dann kein Hänschenmehr hätte, wenn es im tiefen Brunnen ertrunken wäre, da wurdees ihm weh um das Herz, und es fing bitterlich an zu weinen, und esweinte ohne Unterlaß wohl eine gute halbe Stunde.
Weil dem Vater das Mädchen zu lange ausblieb, schickte er seineältere Tochter zum Brunnen. Sie sollte schauen, wo ihre Schwesterso lange blieb. Als sie zum Brunnen kam, machte sie der SchwesterVorwürfe, daß sie den Vater so lange auf das Wasser warten lasse.
,, Ach, liebe Schwester," sprach das Mädchen, schau, ich dachtedaran, daß mein Hänschen ertrinken müßte, wenn es in diesen tiefenBrunnen fiele, da wurde mir weh ums Herz, und ich mußte weinen."
Als die ältere Schwester die jüngere so traurig sah, da wurde auchihr weh ums Herz, und sie setzte sich neben ihre Schwester und weintemit ihr, und sie weinten beide gemeinsam ohne Unterlaß wohl einegute halbe Stunde.
Weil keine seiner Töchter zurückkehren wollte, machte sich der Bauerjetzt selbst auf den Weg zum Brunnen. Er schalt die beiden Mädchenund fragte sie, ob sie ihn denn wollten verschmachten lassen.
,, Ach, lieber Vater," antwortete die jüngere Tochter ,,, ich dachtedaran, daß mein Hänschen ertrinken müßte, wenn es in diesen tiefenBrunnen fiele. Da wurde mir weh ums Herz, und ich mußte weinen."
,, Ach, lieber Vater," sprach darauf die ältere Tochter ,,, als mirmeine Schwester sagte, daß ihr Hänschen ertrinken müßte, wenn es
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