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Was mir der alte Mann erzählte : Märchen aus d. Burgenland
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Er kam zum dritten König. Der ließ ihn gar mit Stecken aus derBurg jagen, als er hörte, daß der Müller zur unglücklichen Stundewolle, wo seine Tochter zwanzig Jahre in der Gewalt des Riesenwar und ihm wie eine Magd dienen mußte.

Zum Schlusse kam der Müller zu dem einsamen Schilderhausam Meere. Kaum hatte ihn der Soldat erblickt, so rief er mit lauterStimme: ,, Holla, abgelöst!"

Der Müller mußte ihn ablösen und steht auch heute noch dort,wenn er mittlerweile nicht auch schon abgelöst worden ist.

3. Pfefferkorn

In einem Walde hausten einst sechs Riesen und wohnten dort ineinem großen Schlosse. In den Dörfern rundum raubten und stahlensie allenthalben viel, so daß man sie überall sehr fürchtete. Einerarmen Bäuerin, die eine Witwe war, nahmen sie ihre einzige Toch-ter. Es war dies ein braves Mädchen, auf das sich die Mutter schonverlassen konnte. Die arme Witwe stand jetzt ganz allein und trauerteund weinte viel um ihr Kind.

Eines Tages kam eine alte Bettlerin zur Bäuerin und bat um einAlmosen. Die Witwe gab ihr ein Töpfchen Milch und ein Stück Brot.

,, Warum seid Ihr denn immer so traurig, liebe Frau?" fragte dieBettlerin, als sie die Milch getrunken und das Brot gegessen hatte.,, Ach," antwortete die Witwe ,,, ich hatte eine Tochter von achtzehnJahren, die ist mir von Riesen gestohlen worden."

,, Die Tochter kann ich Euch noch nicht zurückbringen," sprach dieBettlerin, wenn Ihr aber ein zweites Kind bekommen wollt, sokann ich Euch dazu verhelfen. Nehmt dieses Pfefferkorn und gehtdamit morgen früh in Euren Garten, und wenn die Sonne aufgeht,setzet den Kern in die Erde und sprecht dabei:

Ich pflanze einen Pfefferkern,

Ein kleines Knäblein hätt' ich gern."

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