Print 
Das österreichische Museum für Volkskunde : Werden und Wesen eines Wiener Museums
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

schen Maler, besonders Paul Gauguin, hatten den Reiz der,, Primitivität Glossary ::: show glossary-entry  Primitivität" entdeckt. Bevor man nach der Südsee ging, fandman die gesuchten urväterlichen Anfänge in der Bretagne.Trebitsch vermittelte diese Sehnsüchte ganz real nach Wien.1909 führte er in Wales, auf der Insel Man, wie bei den Gaelenin Schottland Sprach- und Musikaufnahmen durch, hauptsäch-lich für das Phonogrammarchiv der Akademie der Wissen-schaften. Nur wenige Sammlungsgegenstände materieller Naturbrachte er heim und überließ sie, gleichsam als Reiseandenken,dem Museum. Aber 1911 ging Trebitsch von den Inselkeltenzu den Festlandkelten, in die Bretagne, und bewies dort schonweit mehr Sammlergeschick. Er wußte eine stattliche Sammlungvon 272 Nummern zu erwerben, die das Museum nunmehr inganz anderer Weise bereicherte als die bisherigen Splitter-erwerbungen aus Mittel- und Westeuropa. Haberlandt erntetedurch Trebitsch erstmals reich die musealen Früchte seinerAnregungen.

Die ganze Entwicklung ging damals einigermaßen stürmischvor sich, die wissenschaftliche Feinarbeit konnte mit der Auf-nahme des Materials im Felde kaum Schritt halten. Die Be-schreibung, die Arthur Haberlandt 1912 von der ,, BretonischenSammlung" des Museums gab, ist dementsprechend noch etwasdürftig. Das Museum in der Börse hatte zudem gar keinen Platzmehr für solche Neuerwerbungen. So mag es sich erklären,daß der nächste Schritt von Trebitsch sogar mit einem gewissenMißtrauen betrachtet wurde. Er ging nämlich nach seinemAufenthalt in der Bretagne nach Südwestfrankreich und Spanienund begann dort besonders bei den Basken zu sammeln. Nunwar die sprachwissenschaftliche Baskenforschung damals geradesehr hoch entwickelt und ihr Hauptvertreter in Österreich,Hugo Schuchhardt in Graz, den Haberlandt befragte, riet brief-lich geradezu von der Erwerbung der Sammlung Trebitschs ab.Nun, der wohlhabende Sammler widmete dennoch auch dieseSammlung, mit nicht weniger als 412 kostbaren Stücken, demMuseum, und Haberlandt nahm sie an, und zwar schon im

69