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Gartenpalais Schönborn
Mitten im ersten Weltkrieg führten die zähen BemühungenMichael Haberlandts, dem Museum ein größeres und geeig-neteres Heim zu verschaffen, zu einem bedeutenden Erfolg. DieGemeinde Wien stellte nahezu bedingungslos das ehemaligeGartenpalais Schönborn in der Laudongasse zur Verfügung.. Eswar eigentlich schon zum Abbruch bestimmt, aber dazu kames in den Kriegsjahren doch nicht, und so wollte man offenbarabwarten, wie sich die museale Umgestaltung anlassen würde.
Es war ein merkwürdiges Gebäude, eines jener vielen kleinenSchlösser der Wiener Vorstädte, mit einer wunderlichen Ge-schichte. Auf dem Grund der„ hinteren Alstergasse" standeneinige Gebäude, zum Teil noch aus dem 16. Jahrhundert. EinTeil der Laudongassenfront des Schlosses weist im Erdgeschoẞheute noch alte Gewölbe auf, der beste Raum davon, einegewölbte Küchenanlage mit Mittelpfeiler dient heute als stim-mungsvoller Ausstellungsraum der Küchen- und Kellergeräte.Der dazugehörige riesige Trichterrauchfang, der später dickummantelt worden war, wurde erst bei der letzten Gebäude-restaurierung von 1956 entfernt. Im Anschluß an diese altenGebäude entstanden mehrere Häuser des 17. Jahrhunderts, diesich im Besitz verschiedener Adeliger befanden, bis sie 1706ein mächtiger Zuwanderer ankaufte: Friedrich Karl GrafSchönborn( 1674-1743). Der Angehörige des großen fränki-schen Geschlechtes, Neffe des mächtigen Erzkanzlers des Rei-ches Erzbischof von Mainz Lothar Franz von Schönborn, kamzuerst als kurmainzischer Gesandter nach Wien, wurde aber1705 von Kaiser Joseph I. zum Reichsvizekanzler ernannt. Derhohen Würde entsprach zunächst weder Besitz noch Vermögen.Aber einen eigenen Wohnsitz mußte sich der Politiker dochschaffen und erwarb die offenbar wohlfeilen Liegenschaften inder Josefstadt. Nach den Plänen des großen Wiener Bau-
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