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Gründung und Gründer
Bei einem großen, öffentlichen, wissenschaftlichen Institut mitTradition und hohem Ansehen fällt es mitunter nicht ganz leicht,sich vorzustellen, daß es einmal gegründet werden mußte. Ge.gründet noch dazu in dem Sinn, daß einige Persönlichkeitensich ganz privat, ganz auf eigene Initiative hin zu diesem Schrittentschlossen, ohne öffentlichen Auftrag, ohne den Rückhalt aneiner der großen Körperschaften, die man im allgemeinen fürderartige Schöpfungen verantwortlich und zuständig erachtenmöchte.
Das Österreichische Museum für Volkskunde ist aber tatsäch-lich von Einzelpersönlichkeiten mit der entsprechenden Privat-initiative gegründet worden, und zwar eindeutig von zwei mit-einander eng verbundenen Männern, für die sich in entschei-denden Jahren dieses Ziel ergeben hatte, und die nunmehr dieEnergie aufbrachten, zur Erreichung dieses Zieles auch die er-forderlichen Mittel zu beschaffen. Es waren die beiden WienerGelehrten Michael Haberlandt und Wilhelm Hein. Beide lin-guistisch geschulte Ethnographen im Sinn ihrer Zeit, beideBeamte an der Prähistorisch- Ethnographischen Abteilung desNaturhistorischen Hofmuseums, beide führende Mitglieder derAnthropologischen Gesellschaft und mit sämtlichen einschlägi-gen Bestrebungen dieser Zeit, dieses Ortes, dieses Kreises vor-züglich vertraut. Von dieser Position aus stießen sie gemeinsamdie Tür in einen neuen Raum der Wissenschaft auf, durch siewurde die Volkskunde in Österreich ein Begriff, der sogleichmit allen notwendigen Einrichtungen unterbaut wurde: Siegründeten 1894 den„, Verein für österreichische Volkskunde",schufen ihm im nächsten Jahr die unbedingt dazugehörige,, Zeitschrift für österreichische Volkskunde" und taten beideshauptsächlich, um für ihr Hauptziel, das„ Museum für öster-reichische Volkskunde" wirken zu können. Ihr Wirken in den
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