III
Frühzeit der Sammlung
Die beiden innerlich stark verschiedenen und doch eng mit-einander verbundenen Museumsgründer, Michael Haberlandtund Wilhelm Hein, gingen nun von diesem Jahr 1894 an gemein-sam mit dem von ihnen angeworbenen Präparator Franz XaverGröß an die Arbeit. Sie begannen zunächst einen Grundstockvon Sammlungsgegenständen zu erwerben, nach den Anregun-gen, die sie in den letzten Jahren erlebt hatten, ohne jedetheoretische Grundlage und zunächst ohne Expositionsziel vorAugen.
Es war ein anregendes Jahrzehnt in Wien. Die Politik schlughohe Wellen, aber die kulturell interessierten Kreise warendaran wenig beteiligt. Sie hatten mit dem geliebten Theatergenug zu tun: In wenigen Jahren wurden neben dem Burg-theater drei neue Schauspielhäuser errichtet, 1889 das Volks-theater, 1893 das Raimundtheater, 1898 das Kaiser- Jubiläums-Stadttheater, das später zur Volksoper werden sollte. Im Burg-theater stand das Engagement von Josef Kainz vor der Tür.Die musikalische Welt erlebte die Uraufführungen der genialenFrühwerke von Richard Strauss, und die Literatur rund um dasCafé Griensteidl bestaunte die Produktion des jungen Hugovon Hofmannsthal. Die bildenden Künstler veranstalteten die,, Secession" mit der raffinierten Malkunst eines Gustav Klimtund dem Bau des radikal- modernen Ausstellungshauses vonJosef Olbrich. Man möchte meinen, daß für eine Anteilnahmean alter Bauernkunst kaum viel Raum geblieben sein könnte.Aber einige wichtige Ausstellungen hatten doch auch dafür brei-teres Interesse geweckt: Die von Wilhelm Exner inaugurierteAusstellung der österreichischen Hausindustrie von 1890 unddie große Musik- und Theaterausstellung von 1892, zu der KarlGlossy den Katalog schrieb, in dem zum erstenmal volksmäßigeMasken dem Wiener Publikum vorgestellt wurden. Haberlandt
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