Museale Vorläufer und Anreger
Der ganzen Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde entspre-chend, waren eigene Museen für die Sammelgebiete des Facheserst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts möglich. Aus demgleichen Grunde hat es aber ein volles Jahrhundert vorher hin-durch bereits Vorläufer gegeben. Schon zu einer Zeit, da vonanderen Fachmuseen, abgesehen von den naturhistorischen, nochkaum die Rede sein konnte und die Hofsammlungen jeweilsentweder Schatz- oder Raritätenkammern waren, versuchtenwissenschaftliche Pioniere der Frühvolkskunde entsprechendeSammlungen anzulegen.
Die Volkskunde ist in ihrer Frühform zwischen Aufklärungund Romantik zu einem eigenen Wissensgebiet geworden. Fürden musealen Teil ihrer Sammlungsmöglichkeiten ist die Auf-klärung maßgebend gewesen, und zwar in der Spannweite zwi-schen ihren beiden philosophischen Polen, zwischen Voltaire undRousseau gewissermaßen. Für die ersten Sammlungen in denAlpenländern ist begreiflicherweise der„ Bürger von Genf"Rousseau maßgebend geworden, der mit seinem Hinweis auf dieSchweizer Kuhreihen auch die Volksliedforschung inaugurierthat. Von den zahlreichen Vertretern der Frühvolkskunde in denösterreichischen aber auch den damals noch selbständigensalzburgischen und berchtesgadischen Alpenländern mag somancher Einzelstücke gesammelt haben. Es ist davon kaumetwas bekannt geworden. Der Weg ging vielmehr zur Bild-dokumentation. Die bäuerlichen Menschen der Alpenländer inihrer Umwelt, in ihren Trachten, bei ihren Beschäftigungen,vor allem bei ihren Spielen und Bräuchen wurden zu Motiveneiner frührealistischen Kunst. Die wichtigste Persönlichkeit, vonder uns eine eigens angelegte Sammlung solcher Art bekanntist, war der Salzburger Hofkammerdirektor Karl Ehrenbert Frei-herr von Moll( 1760-1838). Der aus der salzburgischen Pfle-
-
7