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Erste Aus- und Aufstellungen
Schon 1895 hatten die Gründer den Mut gefunden, mit einerersten Kollektion vor die Öffentlichkeit zu treten. Bei einemObjektbestand von etwa eintausend Inventarnummern veranstalteten sie im Saal VI des Österreichischen Museums für Kunstund Industrie eine erste Ausstellung, die dem Wiener Publikumzeigen sollte, was gemeint war. Gleichzeitig wollte man wohldadurch die Hand auf das nun einmal in Anspruch genommeneSammlungsgebiet legen, um eventuelle Konkurrenzplanungenvon vornherein ins Unrecht zu setzen.
Dann trieb die Entwicklung in Prag weiter. Die sehr großeund sehr instruktive Tschechoslavische ethnographische Aus-stellung von 1895 war nicht nur ein innertschechischer Erfolg,sondern auch ein Fanal geworden. Beeindruckt von diesem hoch-politisch gewerteten Erfolg stellten Graf Sylva- Tarouca undseine Gemahlin, die geborene Gräfin Nostitz in ihrem PragerPalais für die Dauer von zehn Jahren kostenlos sechs Säle zurVerfügung, in denen das Erbe der Ausstellung zum ,, Tschecho-slavischen ethnographischen Museum" umgestaltet wurde. Am15. Mai 1896 fand die Eröffnung statt, die Eröffnung eines reintschechisch- nationalen Volkskundemuseums, in der Hauptstadtdes Landes Böhmen, das von etwa einem Drittel deutscherLandesbürger mitbewohnt wurde.
Eine solche Vereinfachung lag den Wiener Gründern nicht.Sie blieben bei ihrer Konzeption, allen Sprachnationen der cis-leithanischen Reichshälfte gerecht werden zu wollen. Als sie ihrMuseum am 31. Jänner 1897 eröffneten schon Monate vorherhatten sie immer wieder neue Termine dafür angegeben, so gernwären sie schon früher fertig gewesen-, da waren sie jeden-falls ihrer Grundidee treugeblieben. Wien hatte eine Sammlung,die ganz anders als jene in Prag die Intention als ,, Reichsmuseumfür österreichische Volkskunde" in sich trug.
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