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1 (2012) Mikrofotografisches Bibelstechen : eine Ausstellung als Einblick und Kommentar ; [Ausstellung vom 13. 11. 2012 bis 17. 2. 2013 im Österreichischen Museum für Volkskunde] / Textband
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Paul Divjak

Im Wagen vor mir sitzt ein junges Mädchen. Sie ist nichtallein und sie scheint Braut zu sein. Genau genommenzeichnet sich nur ein Schleier ab, um ihren Kopf, imGegenlicht. Sie selbst bleibt Phantom, im Schatten desWageninneren verborgen.

Auf der Rückbank, neben ihr: ein Mann. Es ist der Bräu-tigam, so will es die Legende. Er hat sein Gesicht von ihrabgewandt. Auch er bleibt nur Schema, unbekannte Sil-houette im Hintergrund.

Vor ihnen, am stolzen Lenkrad: der Fahrer. Er blicktüber die rechte Schulter nach hinten. Neben ihm, aufdem Beifahrersitz, haben zwei Mädchen Platz genommen:Junior- Brautjungfern Glossary ::: show glossary-entry  Brautjungfern, fein herausgeputzt. Von jeher dazuauserkoren, die bösen Geister zu verwirren. Kennen sichja nicht mehr aus: alle so in Weiß. Und überhaupt.( Als obdie Geister derart blöd wären.)

Am Wegesrand steht der Pulk; die angeschnitteneGemeinde der Gratulanten. Unter ihnen: ein Mann miteinem Doppler in der Rechten; bloß noch zur Hälftegefüllt. Ob die Flasche nun halbvoll oder halbleer ist, dassollen andere entscheiden. Ihm geht es einzig und alleindarum, den vergorenen Rebensaft zu verschenken. Agapeam Wegesrand.

Panta Rhei. Alles fließt: Und bald schon wird die Hoch-zeitsgesellschaft ihre Fahrt fortsetzen. Und vielleicht amnächstgelegenen Brunnen haltmachen, den eine Figurschmücken könnte wie jener alte Holzkopf.

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