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1 (2012) Mikrofotografisches Bibelstechen : eine Ausstellung als Einblick und Kommentar ; [Ausstellung vom 13. 11. 2012 bis 17. 2. 2013 im Österreichischen Museum für Volkskunde] / Textband
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Nina SchedlmayerWER WAR DANIEL A. KAJON?

Wenn man zwei Dinge betrachtet, findet man immereines anziehender als das andere. Das Zunftschild desZimmermeisters Johann Hörmandinger hat seine Reize:Durch die helle Farbe auf dem dunklen Grund leuchtetes, fast ein bisschen geheimnisvoll. Und die Dachstuhl-konstruktionen könnten, betrachtet man sie isoliert, auchminimalistische Zeichnungen sein. Dennoch interessiertmich das Straßenleben auf dem Lande" mehr, denn esgibt Rätsel auf. Was macht der Mann mit dem Esel, zurrter etwas auf diesem Gestell fest? Was ist das überhauptfür ein Ding auf dem Rücken des Tieres? Warum sitzendie Buben in den Körben? Können sie nicht gehen?

Wüsste ich genau Bescheid darüber, was es darstellt( weil ich zum Beispiel dort leben würde, wo es aufgenom-men wurde): Erschiene es mir genauso spannend? Diemerkwürdige, komplexe Konstellation des Bildes sprichtdafür. Ein Detail dieser surrealen Mensch- Tier- Gruppeerscheint, aus dem Kontext gerissen, wie ein Vexierbild:Aus dem rechten Korb scheinen unten die Beine des Eselszu wachsen der Junge könnte auch einen kindlichenSatyr, der gerade davonlaufen will, darstellen. So könntedas Bild auch eine mythologische Erzählung illustrieren.

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Das Schild dagegen erscheint mir flach. Es soll vorallem informieren und werben. Es richtet sich an Vorüber-gehende, nicht an jemanden, der oder die es lange stu-diert. Die sogenannten W- Fragen- was, wer, wann, wo,

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