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1 (2012) Mikrofotografisches Bibelstechen : eine Ausstellung als Einblick und Kommentar ; [Ausstellung vom 13. 11. 2012 bis 17. 2. 2013 im Österreichischen Museum für Volkskunde] / Textband
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Mara Mattuschka

Wie ein Hampelmann hängt der Landsknecht in seinerSchlüsselposition. Verschmitzt und finster zugleich blickter, warnend und einladend. Federgeschmückter Eisenhutüber dem Mondsichelgesicht mit Spitzbart. Großzügigdas Gewand. Das Schwert verrutscht wie ein Ersatzpenis.

Zwischen den Lenden, da wo normalerweise das wich-tige Stück Mann stehen soll, gähnt ein Loch- ein Schlüs-selloch. Steckte man den passenden Schlüsselbart einesSperrhakens hinein, dann verhülfe man dem Unvollkom-menen zur Ganzheit. Komisch ist das, da es gerade dieLandsknechte waren, die die extravagante und provozie-rende Mode des ausgepolsterten Hosenlatzes mit Scham-kapsel einführten, um ein besonders großes Geschlechts-teil vorzutäuschen.

Es ist durch die bank hindurch alweg und alzeit einböss unnütz volk, nit wenige dann münch und pfaffen.Ist es im krieg, so ist under tausend kaum einer an sei-nem sold begnuegig, sunder stechen, hawen, gotslestern,huoren, spielen, morden, brennen, rauben, witwen undweisen machen, ist ir gemein handwerk und höchste kurz-weil. Kummen sie denn nach dem krieg mit dem bluotgeldund schweiss der armen heim, so machen sie ander leutmit inen werklos, spacieren müessig in der statt creuz-weiss um mit jedermann ärgernis, und sind niemand nichtnutz denn den würten und stellen sich, als sei inen gebo-ten, sie sollen eilends wider verderben"- so ein Chro-nist. Die Landsknechte, anfangs angesehene Soldaten im

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