Hanno MillesiMAMMON
Als einige Bauern, die anlässlich eines Festaktes aus dembenachbarten Dorf herübergekommen sind, sich unge-niert zuraunen, das Hochzeitsornat des hiesigen Pfarrerssähe, verglichen mit dem Sonntagsstaat ihrer Kühe, wieein alter Lumpen aus, wird es dem geschmähten Gottes-diener zuviel.
Schweren Herzens lüftet er mit einem Beichtgeheim-nis auch das Geheimnis hinter der Blasiertheit der Besu-cher aus der Nachbarschaft. Wie sich herausstellt, habendie Dorfältesten aus dem Verlauf eines Unglücksfalls, vondem ihre Ortschaft heimgesucht worden ist, ihre ganzpersönlichen Schlüsse gezogen. Ein prominenter Ferien-gast hat in betrunkenem Zustand eine nicht prominenteAnhalterin niedergefahren. Angeblich wollte er stehenbleiben, sie zu sich ins Auto holen und... hielt jedoch der-art stümperhaft an, dass die junge Frau dabei umgefah-ren und getötet wurde. Exakt lässt sich das nicht mehrrekonstruieren, muss auch nicht rekonstruiert werden.Was geschehen ist, ist geschehen, und wer kann sagen, obüberhaupt jemand um die Ausreißerin trauert? Sicherlichnicht, wer gar nicht weiß, was aus ihr geworden ist. DerProminente zeigt sich erkenntlich. Neben ein paar glit-zernden Schmuckstücken, die er den Milchbauern über-reicht, organisiert er einen Vortrag des angesehenstenÖkologen und sorgt für einen Wikipedia- Eintrag, der diesprichwörtliche Gastfreundschaft der Ortsansässigen her-vorhebt. Unter den Dorfbewohnern verdrängt die Freude
13