Claudia Slanar
So beginnt ein Film noir: schwarzweiß, Nacht, eine Frau,blond, nur mit einem beigen Trenchcoat bekleidet, mitbloßen Füßen auf einer Landstraße dahinstolpernd. EinCabrio hält, ein Mann nimmt sie mit in die nahe Stadt.Die Stadt der Engel. Viel später wird sie eine Kiste öff-nen oder eine Schachtel oder auch eine Schatulle. Dasganze endet in Schock und hysterischem, nicht endenwollendem Gelächter. Und vermutlich Tod. Diese Schach-tel ist dem Mythos am nächsten. Es ist zu bezweifeln, dasssie nur eine Fotografie enthalten hat. Außer vielleicht eshätte sich um ein Remake des Films gehandelt.
Doch dieser Film bleibt nur Zitat in einem anderen.Und diesmal ist die Kiste eine kleine blaue Box, ein mitWünschen, Begierden und Alpträumen besetztes Objekt.Sie enthält ihre eigene Mechanik und ein undurchdring-bares Schwarz, das als solches schockiert. Sie ist derAngelpunkt für Erzählungen, die aneinander entlang glei-ten ohne die geringste Erklärung oder gar Auflösunganzubieten. Geschichte ohne Moral. Das ist schwer zuertragen.
Ein anderer Film, eine andere Schachtel, Schatulle odergar Kassette: Sie ist aus Holz, braun und unscheinbar. EinVater hat sie für seine Tochter gemacht, ihren Namen ein-geschnitten. Der Vater, der im Gefängnis sitzt für einenMord, den er natürlich nicht begangen hat. Denn wahreMörder schnitzen nicht in Hollywood. Die Tante über-bringt die Kassette, da die Tochter seit Jahren an die
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