G. Waffeleisen
In sogenannten Waffeleisen wurden zu bestimmten Brauch- undFestzeiten, besonders bei Geburten und Hochzeiten oder wenn manPatenkinder beschenken wollte, dünne Kuchen über dem offenenFeuer gebacken. Ein bedeutendes Erzeugungszentrum für Waffelei-sen lag im niederösterreichischen Ybbsitz. Ybbsitzer Waffeleisenwaren vor allem für den Export bestimmt und wurden nach Ungarn,Schlesien, Polen und Rußland verkauft.1
Waffeln gehörten" in den Haushalten der Bürger und des Adels zumGrundbestand der Mehlspeisen, ehe eine stärkere Tendenz zumBacken im Ofen eingesetzt hat. Die Bauern aber haben sie scheinbarnie in ihren Bestand an Festtagsgebäcken aufgenommen. Dem frühe-sten Rezept aus dem 16. Jahrhundert folgen ähnliche in ununterbro-chener Reihe bis ins 19. Jahrhundert." 2 Aber noch im Jahre 1919werden in der 62. und 63. Auflage der" Süddeutschen Küche❞ entspre-chende Rezepte für Waffeln( Hohlhippen, Karlsbader Oblaten) ange-führt und Anleitungen zur Handhabung der Waffeleisen gegeben:Nachdem man die Teigmasse gerührt hat," wird das rein ausgewischteund dann geschlossene Waffeleisen über Holzfeuer gehalten, bis esauf beiden Seiten heiß ist, dann geöffnet, wieder ausgewischt undmittels einer Feder mit Rindschmalz auf beiden Seiten in allen Vertie-fungen bestrichen. Hierauf gibt man 3 Löffelvoll von der Masse hinein,schließt das Eisen, hält es über das Feuer und schneidet den ausge-flossenen Teig weg. Wenn man das Eisen einige Minuten auf beidenSeiten über das Feuer gehalten hat, sieht man nach, ob die Waffelschon semmelfarbig ist, stürzt sie in diesem Falle heraus und biegt sieüber das Holz der Straubenspritze oder schneidet sie ein- oder zweimaldurch und legt die Stücke flach aufeinander." 3
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Waffeleisen, Schmiedeeisen, datiert 1540. Zangenform, zwei rundePrägeplatten, innen ziseliert: 1. Brautpaar in Zeittracht, der Bräutigamhebt den Becher, die Braut den Blumenstrauß. Schriftband mit Jahres-zahl" 1540". 2. Rosenblüte.
d= 10 cm|= 57 cm
Inv.-Nr.( 18.950 b)
1 Gudrun Hempel: Handwerkskunst in Eisen, S. 44.Otfried Kastner: Eisenkunst im Lande ob der Enns. Linz 1954, S. 20. Derselbe: Handge-schmiedet. Eisenkunst in Österreich aus der Zeit der Landnahme, Romanik und GotikLinz 1967, S. 74.
2 Backmodel aus Bauern- und Bürgerhäusern. Katalog Nr. 1. Hrsg. SteiermärkischesLandesmuseum Joanneum, Außenstelle Stainz, 1975, S. 20.
3 Katharina Prato: Die Süddeutsche Küche. Für Anfängerinnen und praktischeKöchinnen. Bereichert und herausgegeben von deren Enkelin Viktorine von Leitmaier. 62.und 63. Auflage, Graz und Wien 1919, S. 524.
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