nannten' Rauchstuben'. Von Reinlichkeit oder irgend einer Bequem-lichkeit kann in solchen Häusern wohl keine Rede sein; da noch dazuauch der Rauchfang gewöhnlich schlecht angebracht ist, so werden dieLeute entweder von dem stetigen Rauch des Herdfeuers halb' ge-selcht', oder wenn sie die Thür und Fenster in allen Angeln öffnen, sohaben sie den Luftzug und im Winter die Kälte in der Stube. In denBauernhäusern wird oft auch fast den ganzen Tag geheizt, da wirdaußer der gewöhnlichen Kochzeit entweder Brot gebacken oder Schwein-futter oder Kälbertränke gesotten, oder es muß der Ofen erhitztwerden, um das für die Mühle bestimmte Korn zu dörren." 2Das tägliche Kochen am offenen Feuer erforderte Geschicklichkeit undspezielle Geräte, vor allem auch dann, wenn mehrere Speisen zugleichgekocht werden sollten. Zur traditionellen Ausstattung der offenenFeuerstätte gehörten Dreifuß und Kesselhaken, Hängekessel, Gefäßemit Standbeinen und langstielige Pfannen.
Aber nicht alle Gerichte konnten auf dem offenen Herd zubereitetwerden, vor allem nicht jene Speisen, die gleichmäßige Hitze von obenund unten erfordern und für die heute das Backrohr zur Verfügungsteht. In der für die Rauchstube charakteristischen Doppelfeuerstättewurde dann der Backofen verwendet." Solange das Feuer im Backofenvor Einschießen des Brotes brannte, wurde seine Hitze immer ausge-nutzt. In eisernen oder irdenen Gefäßen wurden Fleisch, auch Krautoder für die Schweine Kartoffeln und Rüben gekocht. Diese Gefäßehatten eine bestimmte Form; sie verschmälerten sich konisch nachunten, da sie in den Backofen mit einem eigenen Gerät, dem' Ofenwa-gen', geschoben wurden( siehe Kat.-Nr. 52 und 53)... Häufig wurde derBackofen auch eigens zur Speisenbereitung angeheizt, besonderswenn viele Leute zu verköstigen waren, immer aber für größereBraten." 3
Nachdem im 16. Jahrhundert vereinzelt Kochherde mit Löchern zumEinsetzen der Kochtöpfe bezeugt sind, kam es um 1800 im Zuge derVerknappung von Brennholz und der daraus resultierenden Preisstei-gerung zur Entwicklung von ökonomischen Öfen, sogenannten Spar-herden. Sie waren zunächst meist eingebaut, gemauert und gekacheltund mit einem Backrohr und Wasserschiff ausgestattet." Später kamman zu transportablen Sparherden aus Eisen und emailliertem Blech
² Peter Rosegger( 1843- 1918): Haus und Heim. In: Das Volksleben in Steiermark inCharakter- und Sittenbildern. Dritte, vermehrte Auflage. Wien, Pest, Leipzig 1885.S. 20 f.
3 Hans Maria Fuchs: Die Bauernkost im Sulmtale. In: Zeitschrift für Volkskunde. NeueFolge, Band 1. 39. Jg. Berlin und Leipzig 1930. S. 28 f.
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