Hartmut Prasch, Spittal/ Drau
Erlebniswelt Volkskultur
Chancen- Risiken- Potentiale
Von der ,, Erholung“ zum„, Erlebnis“
Freizeitforschung und damit auch Freizeitindustrie besitzen schon seiteinem Jahrzehnt mit„ Erlebnis“ ein erfolgsträchtiges Schlüsselwort. Unterder Vielzahl von Freizeitbereichen spielen auch Kultur und insbesondereVolkskultur eine wesentliche Rolle. Dies zeigt sich bereits seit den1970er Jahren in den Bemühungen des Tourismus, der im Streben nachBefriedigung der Bedürfnisse seiner potentiellen Kunden redlich danachtrachtete, diese aufzuspüren.'
Während Urlaub und damit Freizeit früher zu den Luxusbedürfnissengezählt wurden, gelten sie heute als geradezu lebensnotwendig und habensich so zu Primärbedürfnissen gewandelt. Im Streben nach Verwirk-lichung von Freizeitwerten kam schon vor dreißig Jahren der Volkskulturmit ihrem breiten Spektrum zunehmend touristische Bedeutung zu, undsie geriet zu einem wesentlichen Bestandteil des Marketinginstrumen-tariums im Bereich der, Produktgestaltung'. Volkskultur wird Markt-artikel. Hinzu kommt in den Anfängen dieser Entwicklung, dass vielevolkskulturelle Erscheinungen in ihrer traditionellen Verankerung quasigratis in Anspruch genommen werden können, ebenso wie die natür-lichen und landschaftlichen Ressourcen einer Destination ,, Kommer-zialisierung freier Güter“ hieß dafür in den siebziger Jahren dasSchlagwort der Touristiker.²
In den 1980er und 1990er Jahren wandelt sich die passive Konsum-orientierung also der Anspruch auf„ Erholung" in eine aktiveErlebnisorientierung.„ Der Wunsch das Leben zu erleben ist der Aus-druck eines Wandels in den Wertvorstellungen und Lebensorientierungen
' Siehe dazu: Prasch, Hartmut: Die„ Kommerzialisierung freier Güter"- oder: Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumund Tourismus. In: Jahrbuch Volkskunde und Museologie des BezirksheimatmuseumsSpittal 4, 1990, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum heute, 61-74, hier S. 62f.
2 Siehe dazu: Krippendorf, Jost: Marketing im Fremdenverkehr. Bern 1971.