Ronald Lutz, Erfurt
Bergwelten und TraumpfadeGipfelstürmer als Erlebnisproduzenten
Berge sind seit gut zwei Jahrhunderten, in periodischen Abständen sichjeweils stärker akzentuierend, Aufmarschgebiete der Nervösen und Un-ruhigen, der Suchenden und Sensationslüsternen. Intensiv zu leben, sichdem Abenteuer zu stellen oder der Zivilisation den Rücken zu kehrensind dabei starke Motive für den Kampf mit dem Gipfel.
Offensichtlich hat dieser beschwerliche und gefährliche Weg nach obenwesentliche Gehalte, die ihn zum Traumpfad für unterschiedliche Bedürf-nisse prädestinieren. Die Bücher der alpinen Stars werden dabei zu Dreh-büchern für die Inszenierung von Seifenopern. Die Philosophien einesEugen Guido Lammer, Hermann Buhl, Carl Diemberger, Reinhold Mess-ner oder Hans Kammerlander werden popularisiert und liefern Bildereines konstruierten Zaubers, der sich in den Unruhigen zu manifestierenscheint, wenn sie auf die Berge steigen.
Zu erkennen ist eine Sehnsucht nach großen Herausforderungen, um zusich selbst zu finden, die auf andere, weniger Begabte, abfärbt und derenTreiben, das Besteigen hoher Gipfel, motiviert und durchdringt. Dabeikommt es seit einigen Jahren wieder verstärkt zu mitunter dramatischenEreignissen.
Einstiege
Einige aktuelle Belege mögen die Dramatik des Geschehens umreißen:Um den 17. Mai diesen Jahres meldete die„ Deutsche Presse- Agentur"einen ,, Bergsteiger- Stau am Mount Everest". Zu diesem Zeitpunkt warte-ten etwa 400 Bergsteiger im Basislager darauf, dass sich das Wetterbessern möge. Falls der Himmel sich nicht bald aufkläre, so der Kern desBerichts, würden die Teams aus aller Welt nur einen teuren Campingtrip
' Butzbacher Zeitung, 18. 5. 2001.