Gerlinde Haid, Wien
Events mit Volksmusik
Als vor einigen Jahren meine anglophile Assistentin zum erstenmal voneinem Event sprach, sagte ich nichts und dachte mir meinen Teil. Inzwi-schen ist das neue Wort fixer Bestandteil unseres Wortschatzes gewor-den. Was ist passiert? Ein deutsches Vokabel„ Ereignis“ ist durch einenglisches ,, Event" ersetzt worden und fühlt sich augenscheinlich pudel-wohl in dem Sammelsurium französisch-, lateinisch- und sonstwie stäm-miger Ausdrücke, die wir täglich verwenden.
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Wenn es aber nur das wäre, würde es sich nicht lohnen, mehr als ein paarWorte, welcher Herkunft auch immer, darüber zu verlieren. Aber es ist,wie stets, wenn sich Sprache verändert, nicht nur das. Der AusdruckEvent zielt auf einen neuen Sachverhalt der Veranstaltungskultur, undzwar keineswegs allein der Unterhaltungsbranche. Es geht um eine- imGrunde nicht so neue Vision, die besagt: weg vom bloßen Herzei-gen und Vorführen, hin zum Erlebnis. Kulturveranstalter reagieren damitnicht nur auf die Bedürfnisse einer immer verwöhnter werdenden,, Spaßgesellschaft", sondern auch auf die durchaus ernst zu nehmendeSehnsucht vieler Menschen nach dichter, direkter, alle Sinne ansprechen-der Kommunikation. Man bemerkt das beispielsweise bei der Musik,auch bei der sogenannten, ernsten', die dem Publikum jetzt immer öfterin Form von Festivals dargeboten wird. Das ist eine Reaktion auf dieRituale des bürgerlichen Konzertlebens der letzten 250 Jahre, in der vieledas gesamthafte Erlebnis nicht mehr finden, das sie erwarten.„ Das Festi-val ist zur idealen Veranstaltungsform für das Leben in postbürgerlicherZeit geworden", stellt Claus Spahn in der„ Zeit“ vom 26. Juli 2001 fest,nicht ohne zu bemerken, dass der Zwang zum„ zwanglosen Kultur-konsum" auch schon wieder eine Art Terror sein kann.„, All die rustikalenPicknickkörbe, die beim Open- Air- Konzert mitgeführt werden, die som-merlichen Sektempfänge und romantischen Candlelight- Inszenierungen,