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Erlebniswelt Volkskultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2001 in Spittal/Drau
Entstehung
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117
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Nikola Langreiter und Christian Stadelmann, Wien

Vom Nutzen der Gletschermumie

Hintergrund

Donnerstag, 19. September 1991: auf einem Gletscher in der Nähe desHauslabjochs in 3.210 Meter Höhe sehen Erika und Helmut Simon ausNürnberg einen menschlichen Körper aus dem Eis ragen; in derSimilaunhütte berichten sie von ihrem Fund; der Hüttenwirt verständigtGendarmerie und Carabinieri.

Freitag, 20. September: Ein Bergungsteam versucht die Leiche aus demEis zu befreien, das Wetter verschlechtert sich, die Aktion muss abge-brochen werden; ein gefundener altertümlicher Pickel wird mitgenom-men und auf dem Gendarmerieposten Sölden abgegeben.

Samstag, 21. September: erneute Versuche, die Leiche freizulegen schei-tern; die zufällig in der Nähe weilenden Bergsteiger Reinhold Messnerund Hans Kammerlander sowie die Musikwissenschaftlerin GerlindeHaid und deren Mann, der Volkskundler Hans Haid, besuchen den Fund-ort.

Montag, 23. September: Reporter des Österreichischen Fernsehens sindaufmerksam geworden, lassen sich per Hubschrauber an den Ort des Ge-schehens fliegen und so weiter, und so weiter.

Donnerstag, 26. September: in der Wiener Arbeiter- Zeitung" wird dieGletschermumie erstmals als Ötzi bezeichnet.'

Im Folgenden präsentieren wir Überlegungen zum Nutzen der Glet-schermumie" im Dreieck von Erlebnis(-welt), Popularkultur und ebeneinem sogenannten, archäologischen Sensationsfund'. Uns geht es nicht

Fleckinger, Angelika, Hubert Steiner: Faszination Jungsteinzeit. Der Mann aus dem Eis.Bozen 1999( 3.), S. 33; zur Chronologie der Ereignisse vgl. Sulzenbacher, Gudrun: Die Glet-schermumie. Mit Ötzi auf Entdeckungsreise durch die Jungsteinzeit. Wien, Bozen 2000, S.60f. Vgl. auch AZ, 26. 9. 1991, S. 11. Es ist erstaunlich, dass selbst lexikalische Nüchtern-heit dem Namen Ötzi( unter Anführungszeichen) gegenüber anderen den Vorzug gibt; vgl.Österreich Lexikon in zwei Bänden. Wien 1995, Bd. 2, S. 167f.