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Erlebniswelt Volkskultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2001 in Spittal/Drau
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Oliver Haid, Innsbruck

Ö3 präsentiert Halloween.

Postmoderne Volkskultur zwischen UKW und WWW.

I

Ö3 ist Österreichs meistgehörter Radiosender. Seit seiner Gründung imJahre 1967 stellte er einen bedeutenden Motor für die Verbreitungwestlicher kulturindustrieller Produkte und die Kultivierung populär-kultureller Musikstile auf österreichischem Territorium dar. Mit derÖffnung des Medienmarktes im Jahre 1995 erwuchsen ihm zwar vielekleine Konkurrenten, die radikale Reform des staatlichen Senderszwischen 1996 und 1997 unter der Leitung des Ö3- Chefs BogdanRoscic verstärkte aber seine Führungsposition. Als Hitradio Ö3" mitder Devise von den besten Hits der 80er und 90er Jahre, definierteder Sender seine Zielgruppe nun nicht mehr über eine gewisse Alters-stufe( Stichwort Jugendsender"), sondern über einen gewissenMusikgeschmack: die rezente Popmusik.'

Was hat alles das mit Halloween zu tun? Dieses neue Fest wäre ohneMedienpräsenz schlichtweg undenkbar. Jeder Bericht über das amerika-nische Kinderfest, jeder Kommentar, jeder Scherz und jedes gesendeteInterview und natürlich jede Werbung hat ihm den Weg nach Öster-reich ein wenig geebnet. Zwar kann der neue Festkomplex gleichwenigals ,, Medienbrauch" wie als Kommerzialbrauch bezeichnet werden²,doch haben Medien und Wirtschaft an seiner speziell europäischenEntwicklung größten Anteil.

Das trifft auch auf den Radiosender Ö3 zu. Mein Beitrag will aber nichtdie Geschichte von Halloween auf Ö3 rekonstruieren, hierfür stehenkeine Daten zur Verfügung; vielmehr sollen grundlegende Zusammen-

Reiners, Karin: Die wettbewerblichen Auswirkungen der Rundfunkliberalisierung auf dieÖsterreichische Hörfunk- Medienlandschaft. Eine Forschungsstudie am Beispiel von Ö3 unddrei privaten Hörfunksendern. Wien( unveröff. Diplomarbeit) 2000, S. 74-76.

2 Korff, Gottfried: Halloween in Europa. Stichworte zu einer Umfrage. In: Zeitschrift fürVolkskunde 97, 2001, S. 177-189, hier S. 179.