Brauch und neue Medien
gleichzeitig wird Kärnten zunehmend als Reiterparadies' touristischvermarktet. Stefani-, Georgi- und Leonardiritte und-feste nehmen zu. Eswerden auch schon Pfarrer als Nikolaus oder Martin hoch zu Rossgesehen.22 Herausragend ist der Perchtenboom der 90er Jahre. 23 Heuteagieren über 120 Gruppen im Land. Der folkloristische Minimalismusdes Perchtenlaufes bei gleichzeitiger großartiger emotionaler Wirkungwird in den Städten von Oktober bis Jänner vorgeführt, der hoheAufmerksamkeitswert bei geringem Aufwand wird allenthalben einge-setzt. Es ist heute nicht vorstellbar, auf welches Spektakel die Marketing-strategen nach den Perchten setzen wollen. Das sogenannte Jörgl- Fat-schen24 wird es nicht sein, denn dazu scheint dieser vergessene Brauch zuwenig laut und exaltiert zu sein.
Nicht immer wird die nötige Tiefe erreicht, was das Quellenstudium odervergleichende Texte angeht.25 So sind die einzelnen Abteilungen vondurchaus unterschiedlicher Qualität, auch was das kritische Potentialangeht.26 Aus zeitökonomischen Gründen wurde der sicher nicht
22 Folgende Brauchabteilungen oder Termine sind eingerichtet: WINTER: Adventsingen,Barbara, Nikolaus, Herbergsuchen, Krampus und Perchten, Klöckeln, Hirtenspiele, Weih-nachten, Stefani, Frisch- und Gsundschlagen, Silvester und Neujahr, Sternsingen, Sautone,Sebastian, Lichtmess, Blasius, Kirchleintragen, Striezelwerfen, Fasching FRÜHLING:Valentin, Kreuzweg, Fastentücher, Passion, Widderopfer, Palmsonntag, Ratschen, Speise-segnung, Ostern, Osterfeuer, Emmausgehen, Pestprozession, Kugelspiele, Dreinagelwall-fahrten, Georg, Markus, Bittage, Florian, Maibrauch, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Kufen-stechen, Kranzelreiten, Reiftanz, Fronleichnam, Sonnenwende SOMMER, HERBST:Kirchtage, Feste, Märkte, Ringen, Autoweihen, Kräuterweihen, Erntedank, Simon, Hubertus,Allerheiligen, Leonhard, Martin, Cäcilia.
23 Vgl. Kogler, Siegfried: Perchten, Perchten- die Sehnsucht nach dem Uralten? In: KärntnerKulturKontakte 5, 1999, S. 41-43.
24 Fatschen- das Einwickeln des ritterlich- kriegerischen, reitenden Georg mit Bauwoll- oderLeinenbinden.
25 Die freilich kritikwürdigen, und mit Vorsicht zu genießenden- Arbeiten von Gugitzetwa bieten einen ersten, materialreichen Überblick, der durch strenge Quellenkritik undkonsequentes Nachfragen in den Belegorten oder bei den„ Kultplätzen" durchaus brauchbarist. Gugitz, Gustav: Fest und Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskalender für Österreich, Süddeutschland und dieSchweiz(= Buchreihe Österreichische Heimat 19). Wien 1949 und insbes. Ders.: KärntnerWallfahrten in Volksglauben und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum. Klagenfurt 1951.
26 Hätten wir nur mehr monografische und detailreiche Vorarbeiten mit einem ähnlichumfangreichen Quellenapparat wie jene über die Widderopfer, könnten wir viel öfter auf dengelegten Schienen zu groß angelegten Aufnahme- und Filmverfahren kommen. Bockhorn,Olaf: Opferwidder und Widderopfer. Widderprozessionen und Widderversteigerungen inOsttirol und Oberkärnten. In: Bockhorn, Olaf, Helmut P. Fielhauer( Hg.): Kulturelles Erbe
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