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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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Bourdieu einmal für jene Form der Fotografie vorgeschlagen hat,welche an der Symbolik einer Epoche, einer Klasse oder Künstler-gruppe partizipiert. Allen 186 Aufnahmen gemeinsam ist, dass sienicht privat, also von Knipsern gemacht wurden, sondern in profes-sionellen Ateliers entstanden sind. Augenscheinlich wird dies durchdie verwendeten Hintergründe. Sie sind neutral- dunkel getönt odergemalt, sie geben Phantasielandschaften mit Bäumen, Architektur-fragmenten und Innenraumdekors wieder. Bei manchen Aufnahmenwurden zudem kleinere Möbel ins Bild drapiert. Was die Hintergründeund Accessoires angeht, so ähneln die Fotografien den damals inEuropa üblichen Darstellungsformen, wobei allerdings die Atelier-lichtbildner in den westlichen Ländern noch deutlich stärker aufbürgerlich anmutende Gegenstände wie Säulchen, Tische, Sesselund Bücher zurückgriffen.

Auf den allermeisten Fotografien sind ausschließlich Frauen undKinder dargestellt. Sämtliche Personen wurden frontal von vorneaufgenommen. Kein einziges Foto zeigt ein Portrait in Profil oderHalbprofil. Die Kamera erscheint weggerückt: Die Personen wurdenimmer zur Gänze und mit seltsam starrer Körperhaltung ins Bildgesetzt- Halb- oder Dreiviertelportraits fehlen. Besonders auffallendist eine starke kompositorische Symmetrie: Im Zentrum sitzt die oftdunkel gekleidete Mutter mit Kopftuch. Ihre Hände ruhen auf denOberschenkeln oder halten Kleinkinder, die auf dem Schoß plaziertsind. Rechts und links stehen weitere Kinder. Die Jungen odergrößeren Kinder befinden sich meist links von der Mutter, die kleine-ren Kinder und die Mädchen an ihrer rechten Seite, ihre Arme hängeneinfach am Körper herab, ohne dass eine Pose zu erkennen wäre.Sofern das Kleinkind auf dem Schoß nicht in der vertikalen Symme-trieachse enface sitzt, lehnt es im linken Arm der Mutter. Der Fotografhalf der Symmetrie bisweilen etwas nach, indem er die Spröẞlingeauf einen Schemel stellte. Andererseits diente dieses Utensil in einemFall auch dazu, den einen von zwei Brüdern( möglicherweise Zwillin-ge) etwas erhöht abzulichten und damit die strenge Symmetrie zubrechen.

6 Pierre Bourdieu u.a.: Eine illegitime Kunst: Die sozialen Gebrauchsweisen derPhotographie. Frankfurt am Main 1981, S. 18.

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