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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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Aus dem bisher Angedeuteten wird klar, dass die eigentliche Fami-lienfotografie" unter ganz anderen Umständen entstanden ist. DieMenschen gingen in die Stadt, sie gingen ins Fotoatelier, und vorallem sie brachten ihre eigenen Ideen und Vorstellungen mit: Jenachdem, für wen das Bild bestimmt war, gaben sie vor, wie dasFamilienfoto aussehen und wer auf diesem oder jenem Bild abgebil-det sein sollte. Und ebenso war es, wenn Fotografen aus denKleinstädten die umliegenden Dörfer besuchten und ihre Dienste denKunden in deren eigenen Häusern anboten.

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Zu solchen Fotografen gehört, als eine ebenfalls interessante Per-sönlichkeit aus der Geschichte der slowakischen Fotografie, derPriester und Schriftsteller Martin Števček, der unter seinem Pseud-onym Maroš Madačov bekannt wurde. Sein fotografisches Werk stellteine Art Kompromiss zwischen künstlerischer Abbildung der Familieund gewöhnlicher" kommerzieller Familienfotografie dar. Števčekwar von 1936 bis 1943 als Kaplan im Dorf Letanovce in der ostslo-wakischen Region Spiš( Zips) tätig, und während dieser relativ kurzenZeit hat er nicht nur über 600 Fotografien, sondern auch Dokumen-tarfilme in der Länge von insgesamt rund 130 Minuten gemacht. DasErgebnis seiner ethnographischen Forschung in Letanovce hat er inzwei Büchern veröffentlicht: Ein Jahr im Slowakischen Paradies( 1941) und Ein Kinderjahr im Slowakischen Paradies( 1943/44).Die Negative von Madačovs Bildern wurden 1987 im Zuge derErhebungen für die Enzyklopädie der Slowakischen Volkskultur ent-deckt und werden jetzt im Archiv des Slowakischen Nationalmu-seums in Martin aufbewahrt. Diese Fotodokumentationen einewichtige Informationsquelle über das Dorf und das Alltagslebenseiner Bewohner/ innen sind das Ergebnis einer stationären For-schung, d.h. der Fotograf lebte als Kaplan mitten in der Dorfgemein-schaft, war bei Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen ebenso zuge-gen wie bei Erntedankfesten und den Tänzen am Ersten Mai imFreien und hatte alle Gelegenheit, auch die alltäglichen Arbeiten-etwa das Bauen oder Reparieren eines Hauses- zu beobachten. AmSonntag Nachmittag ging er mit seinem Fotoapparat auf die Dorfpro-menade oder zu anderen Plätzen, an denen sich junge Leute trafen,er ging zur örtlichen Eisenbahnstation, zum Fußballplatz und in denSaal des Kulturhauses, wo sich die Schauspieler der Laientheater-gruppe trafen. Und wenn ein Dorfbewohner eine Familienfotografiewollte, fragte er einfach den Kaplan: Dieser kam dann ins Haus, bauteim Hof oder im Garten ein provisorisches Atelier auf und machte seineAufnahmen. Madačov, ein Meister der Bildkomposition, bereitete denHintergrund und die Anordnung der Personen sorgfältig vor- dochdies war auch sein einziger Eingriff in die Realität der jeweiligenSituation; jedenfalls schweigen die verfügbaren Quellen über seine

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