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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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Es ist dies die Frage nach der swissitude" solcher Fotoalben. Ichhöre den Einwand, das lasse sich, wenn überhaupt, nur aufgrundeiner erheblichen Datenmenge feststellen, alles andere gehöre in dasReich der Spekulation. Es hat mich trotzdem gereizt, etwas essayi-stisch zu arbeiten und zu formulieren. Gewiss, die Resultate sindprovisorisch, auch können sie nur skizzenhaft vorgetragen werden.Aber selbst wenn meine Argumentations- und Anschauungsbasisschmal ist, so darf doch unter Berufung auf die vielen Alben, die einemdurch die Hände gegangen sind, eine gewisse Wahrscheinlichkeit derAussagen angenommen werden. Danach dürfte bei der Betrachtungvon Fotoalben der Effekt des déjà vu und des ,, Da haben wir es jawieder" als Indiz gelten, dass es sich um etwas Typisches handelt. Ichmuss meine Ausführungen noch weiter einengen. Zunächst schichtspe-zifisch: Es geht im folgenden vor allem um Alben der bürgerlichenMittelschichten- die Fotografie war ja von den Ursprüngen her dereneigentliches Medium der Weltwahrnehmung, worauf Susanne Breussjüngst wieder hingewiesen hat³; dann sind es ausschließlich Alben mitschwarz- weiß Fotos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Schließlich verzichte ich darauf, die Strukturen, welche den Bildfolgenin diesen Alben zugrunde liegen, zu analysieren. Und zudem muss-dies eben typisch für die Schweiz- verdeutlicht werden, dass es sichum Alben aus den deutsch-, teilweise auch französischsprachigenLandesteilen handelt. Ausgeblendet bleibt die andere kulturelle Musterbeachtende italienischsprachige Südschweiz.

Ich führe also Bilder auf, die regelmäßig in Schweizer Alben erschei-nen, und ich werde sie teilweise kurz kommentieren.4 Dahinter stehtimmer die These, dass es sich dabei um spezifisch schweizerischeBildthemen handelt.

Familienalben verfolgen meist- das gilt auch für die Schweiz- eineLinearität, die in etwa den Etappen des Lebenslaufs entspricht. Diewichtigsten davon werden dokumentiert: etwa durch Aufnahmen kurznach der Geburt, vom bekannten nackten Säugling auf dem Schaffell,von Erstkommunion und Konfirmation. Der erste Schultag dagegenwird in der Schweiz viel seltener festgehalten. Dafür sind Klassenauf-nahmen, vor allem in der Volksschule, die Regel, ebenso Hochzeits-bilder, zuweilen von der goldenen Hochzeit, und dann, beim Lebens-ende, finden wir Fotos von der Aufbahrung in der Kammer oder vomblumengeschmückten Grab. Vieles bleibt ausgeklammert, tabuisiert;

3 Breuss, Susanne: Erinnerung und schöner Schein. Familiäre Fotokultur im 19. und20. Jahrhundert. In: Beitl, Matthias und Veronika Plöckinger( Hg.): familien FOTO-familie. Ausstellungskatalog. Wien/ Kittsee 2000, S. 27-60, hier S. 30.

4 Die Fotos, die im Vortrag gezeigt wurden, können hier leider nur auszugsweiseabgebildet werden.

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