an einer Pressenkonferenz verdeutlicht. Das neue Haus soll ,, foto-zentrum.ch" heißen und die„ langfristige Erhaltung des fotografischenErbes der Schweiz" bezwecken. Ungewollt unterstreicht der neueName den zentralistischen Aspekt. An sich ist ja eine stärkere staat-liche Förderung der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Dokumen-tation der Schweizer Fotografie, wie sie zu den erklärten Programm-punkten des„ fotozentrums" gehört, höchst wünschenswert und de-ren Erfüllung den beiden Leitern der Stiftung, Peter Pfrunder undMartin Gasser, auch zuzutrauen. Der Volkskundler kann nur zustim-men, wenn da vom Sammeln und Erschließen fotografischer Werkedie Rede ist ,,, die in einem Bezug zur Schweiz stehen", und von derDokumentation der„, Schweizer Fotografie von ihren Anfängen bis indie Gegenwart". Aber man kann auch die Verstimmung der Vertreterregionaler Fotoinstitutionen verstehen, die ihre bisherigen Leis-tungen schlecht honoriert sehen und ihrerseits eine stärkere Unter-stützung durch den Bund erwarten.1
Alle genannten Stiftungen und Institutionen haben mehr oder wenigereines gemeinsam: das Misstrauen, die Abneigung gegen das Foto-grafieren des„ simplen“ Atelierfotografen und vor allem gegenüberder Amateurfotografie, gegen das„ Banale und„ Alltägliche" im foto-grafischen Schaffen der Vielen. Die meisten Institutionen von natio-nalem Rang verschließen sich einer solchen Sammel- Perspektive;andere machen zwar Konzessionen, aber ungern, meist unter Hin-weis auf ihre beschränkten Raumverhältnisse. Auch sie gieren letzt-lich nach der Fotografie als künstlerischem Erzeugnis. Eine echteBeziehung, eine ehrliche Wertschätzung des populären fotografi-schen Schaffens besteht kaum, einzelne regionale Sammelstellenausgenommen. Man richtet sich nach den Stars, dem internationalvorgegebenen Level.„ Ausgestellt werden in all diesen Foren meistinternational arrivierte Fotokunst, Retrospektiven renommierter Foto-grafen, in kleinen Räumen immerhin auch experimentelle jungeFotokunst." 2
Das trifft allerdings nicht nur für die Schweiz zu. In letzter Zeit scheintsich zwar der Horizont international etwas zu lichten; das Morgenrot
1 Seither( 2000) hat sich die Situation in dem Sinne verändert, dass die Stiftung einAngebot des Mäzenaten A. Reinhart angenommen hat, sich in Winterthur in einemFabrikareal zu etablieren, mit entsprechenden finanziellen Zuschüssen. Es ist nochzu früh, die Auswirkungen dieser neuen Konstellation auf die genannten Auseinan-dersetzungen zu beurteilen.
2 Ulmer, Brigitte: Das Stiefkind der Kulturförderung. Die Fotografieförderung in derSchweiz ein bisher vernachlässigtes Feld. In: Schindler, Anna und ChristophReichenau( Hg.): Zahlen, bitte! Kulturbericht 1999: Reden wir über eine schweize-rische Kulturpolitik. Bern 1999, S. 233-255, hier S. 243. Vgl. auch Davis, Lorraine:Photographic organizations in Switzerland. In: Gasser, Martin( Ed.): History ofPhotography. Switzerland. London- Washington 1988, S. 293–297.
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