scher Gustav Weigand( 1860-1930), dem Slowenen Matthias Murko( 1861-1952) 14, Aleksander Brückner( 1856-1939) oder dem in Pragtätigen Georg Polívka( 1858-1933) ausführlich abgehandelt unddeutlich gemacht, wie gerade die damalige romantische ,, Volksgeist"-Begeisterung in der Slawistik ein breites, nicht selten im„ Archiv fürslavische Philologie" abgehandeltes Interesse für Folklore, aberebenso für Ethnographie und für Volkskunde gefördert hat.Eine zweite Disziplin, die zur Zeit Interesse an„ Wiederentdeckun-gen" von meist vergessenen österreichischen ethnographischen Bal-kan- Forschern des 19. Jahrhunderts zeigt, ist die Ost- und Südost-europageschichte. Dabei wird nicht zufällig die Erinnerung an einenihrer prominentesten Vertreter, den Historiker und Gründer des Wie-ner Seminars für Slawistik Josef Konstantin Jireček( 1854-1918),gerade vom„ Bulgarischen Forschungsinstitut in Österreich" 15 beson-ders hochgehalten, hatte doch Jireček im bulgarischen Staat nichtnur hohe Ämter inne, sondern auch aus kulturgeschichtlicher Per-spektive Standardwerke, etwa eine„ Geschichte der Bulgaren"( 1867), verfasst. 16 Jireček aber auch andere wären daher pro-blemlos jener kommentierten Liste von österreichischen Beiträgernzum ,, ethnological knowledge to the Balkans" hinzufügen, die vomGrazer Südosteuropahistoriker Siegfried Gruber kürzlich erstellt wor-den ist.17 Denn Interesse an„ ethnologischem Wissen" lässt sich zudieser Zeit- aber auch: auf diesem besonderen„ Feld"- nicht auf diehiesige Volkskunde beschränken- wenngleich die damalige öster-reichische Volkskunde vielleicht am deutlichsten von jener seit ihrer,, Entdeckung" allgegenwärtigen„ ethnologischen“ Thematisierungdes ,, Balkans" profitiert hat.
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Für die ab den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts sich etablierendeÖsterreichische Volkskunde war dieser„, Balkan" denn auch tatsäch-lich von großer Bedeutung, konzentrierte sich doch dort, und zwarausgehend von der„ Wiener Anthropologischen Gesellschaft", einerstes volkskundlich- ethnographisches Interesse. 18 Und wenngleich
14 Vgl. etwa Matthias Murko: Die südslavischen Litteraturen. In: Die osteuropäischenLitteraturen und die slavischen Sprachen. Berlin- Leipzig 1908, S. 194–245.15 Vgl. zu Jirecek biographisch: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950,3. Bd. Graz- Köln 1965, S. 116; Konstantin Jireček, sein Leben, schöpferischesWerken und sein wissenschaftliches Erbe(= Mitteilungen des Bulgarischen For-schungsinstitutes in Österreich 3). Wien 1980.
16 Josef Konstantin Jireček: Geschichte der Bulgaren. Prag 1876; ders.: Das Fürsten-thum Bulgarien. Seine Bodengestaltung, Natur, Bevölkerung, wirtschaftlichen Zu-stände, geistige Cultur, Staatsverfassung, Staatsverwaltung und neueste Geschich-te. Prag 1891.
17 Siegfried Gruber: Austrian Contributions to the Ethnological Knowledge of theBalkans since 1850. In: Ethnologia Balkanica 2, 1998, S. 210–224.
18 So wurde von der„ Anthropologischen Gesellschaft in Wien" 1884 die„ Ethnogra-phische Commission" begründet, deren Ziel es war,„ eine kräftige Initiative zur
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