Volkskunde zum einen, als Perspektive im Rahmen einer aktuellen-in mancherlei Hinsicht jedoch erst zu etablierenden- EuropäischenEthnologie zum anderen.5
II. ,, Entdeckungen" und„, Wiederentdeckungen": einegemeinsame Wissenschaftsgeschichte
Der 1829 in Pest in wohlhabendem jüdischen Elternhaus geboreneund 1904 in Wien verstorbene Ethnograph und Geograph FelixPhilipp Kanitz gilt als genauer Beschreiber und zeichnerischer Do-kumentarist von Serbien und Bulgarien. An der Kasseler Kunstaka-demie ausgebildet, war er bekannter Illustrator verschiedenerdeutschsprachiger Zeitungen, wandte sich aber ab 1858 der Berei-sung und Erforschung Südosteuropas zu, wobei sein 1868 veröffent-lichtes Buch über„ Serbien" 7 wie auch die folgenden Bände zuBulgarien durch eine besondere Ortskenntnis und eine geschulteBeobachtungsgabe bestachen. Darüber hinaus erfreute sich der zumChristentum konvertierte Kanitz in Österreich- etwa als Autor in der,, Oesterreichischen Revue"- eines großen Interesses bei einer ge-bildeten Leserschaft. Besonders hervorzuheben ist jedoch sein viel-fältiges Wirken in der 1870 gegründeten„ Anthropologischen Gesell-schaft in Wien", wo er als„ Museal- Custos“ und„ Rechnungsführer"fungierte und in diesem Rahmen als Referent zur„, Ethnographie deralten und gegenwärtigen Bulgaren" in Erscheinung trat. Über dieseThematik hatte Kanitz bereits 1871 im ersten und 1872 im zweiten
gie( Sozial- und Kulturwissenschaftliche Studientexte 2). Innsbruck 1999, S. 103-138; vgl. als weitere in Deutsch verfasste Darstellung: Hristo Vakarelski: Diebulgarische Ethnographie nach 1918. In: Südost- Forschungen 5, 1940, S. 769-812.Dieser Aufsatz ist allerdings selbst Teil einer nicht unproblematischen, weil zeitge-schichtlich der bulgarischen Annäherung an das nationalsozialistische Deutschlandgeprägten Wissenschaftsbeziehung.
4 Reinhard Johler: Das Ethnische als Forschungskonzept. Die österreichische Volks-kunde im europäischen Vergleich. In: Klaus Beitl, Olaf Bockhorn( Hg.) SIEF 1994.Plenarvorträge. Wien 1995(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde derUniversität Wien 16/ II). Wien 1995, S. 69-101.
5 So waren gerade für die bulgarische Volkskunde ausländische Gelehrte ausgespro-chen wichtig:„ Vor der Befreiung arbeiteten auf dem Gebiete der bulgarischenFolkloristik auch einige Ausländer und stärkten so die Bestrebungen der bulgari-schen Schriftsteller zur Erweckung des Nationalbewußtseins."( Christo Vakarelski:Bulgarische Volkskunde. Berlin 1969, S. 6)
6 Vgl. zu Kanitz biographisch: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950,3. Bd., Graz- Köln 1965, S. 215 f; The Universal Jewish Encyclopedia in ten Volu-mes, Vol. 6, New York 1948, S. 305.
7 Felix Philipp Kanitz: Reise in Süd- Serbien und Nord Bulgarien ausgeführt im Jahre1864. Wien 1868; ders.: Serbien. Historisch- Ethnographische Reisestudien aus denJahren 1859-1868. Leipzig 1869.
8 F[ elix Philipp] Kanitz: Die herrschende Kaste der Türkei auf unseren ethnographi-
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