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Bulgarisch-österreichisches Kolloquium Europäische Ethnologie an der Wende : Perspektiven - Aufgaben - Kooperationen ; Referate der 1. Kittseer Herbstgespräche vom 10. bis 12. Oktober 1999 ; anläßlich der Jahresausstellung "Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren - Historische Kalenderbräuche aus Bulgarien" vom 20. Juni bis 1. November 1999 in Schloß Kittsee
Entstehung
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lingua franca der EU favorisiert und dabei unterstellt hat, das Öster-reichische komme dem Englischen näher als das Deutsche. In Wiensei der Unterschied zwischen dem hochsprachlichen ,,, Ich gehe nachHause und, geh ham mindestens so groß[...] wie zwischenHochdeutsch und Englisch( zum Verständnis:, I go home')." 8Bemerkenswert ist, dass gleichzeitig mit dem Aufbruch der Demokra-tie auch in den Reformstaaten die Wiedergeburt des Nationalen alsethnischer Fundamentalismus zu registrieren ist, beides vielleichtsogar miteinander zusammenhängt. In diesem Kontext spielt dieEthnographie eine entscheidende Rolle. Eben sind in den neuen"und jungen" Staaten Kroatien und Slowakei umfangreiche Ethnogra-phien publiziert worden Vorhaben, denen, bei allem neidvollenRespekt vor der wissenschaftlichen Leistung, immer auch die Gefahreingelagert ist, dass sie die neuen Staaten mit Volkskultur" legitimie-rend zusammenschreiben. Sie gründen den( modernen?) Staatnicht auf einer Verfassung, die vom Konsens aller Bürger lebt,sondern grundieren eine nationale Kultur des Staates mit ethnogra-phischen Merkmalen, die als ethnisch" dann wie anthropologischeKonstanten angelegt scheinen. Sie legitimieren mit der Behauptungeiner endogenen Kultur, der Volkskultur", eine nicht nur ethnogra-phische, sondern auch ethnische Identität der neugebildeten Staa-ten in Gegenwart und Vergangenheit. Mit dieser alten Idee derethnischen Homogenität provozieren sie- absichtsvoll? sofort in-nerstaatliche Konflikte mit den nun als Minderheiten bezeichnetenlokalen und regionalen Mehrheiten anderer Sprache und Kultur.Man kann kaum verhindern, dass die als ethnisch" definierten Ge-bilde in Folklore und Ethnologie- Institutionen weiterleben, in Ost undWest. Wenn 1995 der Östereichische Verein für Volkskunde sein100- jähriges Bestehen feiert oder wenn 1998 das 50- jährige Beste-hen des kroatischen Instituts für Folklore und Ethnographie und deskroatischen Volkskunstensembles gefeiert werden kann, dann hatsich hier als Kompensation politischer Kompetenz- eine kulturelleKompetenz gehalten, die in eine neue Staatlichkeit gemündet undselbst Kriege argumentativ begründet hat( und in Österreich anno1938, den Anschluss an Deutschland bejubelnd, aus der Deckunggekommen ist). Man kann freilich auch gegenläufige, positive Akzen-te sehen und etwa- im Gegensatz zu Bromlej 10- vermuten, dasssich die Idee von Besonderheit und Eigenart der Völker der Sowjet-

8 Leserbrief in: Die Presse vom 17.7.1999.

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9 Rastislava Stolicná u.a.: Slowakia. European Contexts of the Folk Culture. Bratis-lava 1997; Slowakei, Jasna Čapo- Žmegač u.a.: Etnografia. Svagdan i blagdanhrvatskoga puko. Zagreb 1998.

10 Julian V. Bromlej: Ethnos und Ethnographie(= Veröffentlichungen des Museumsfür Völkerkunde zu Leipzig 28). Berlin 1977.

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