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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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Julian MAKAREWICZ

Altpolnischer Bauernpflug; aus der Sammlung vonWłodzimierz Graf Dzieduszycki in Lemberg

sig. J. Makarewicz"

Tuschzeichnung

15,2 cm x 30,5 cm

Pk 1131/1370

Lit.: ÖUM, 805

Galizien versucht seinen Status als Agrarland zu verbessern, undman wirft nochmals einen Blick zurück auf alte Geräteformen.Der von Makarewicz abgebildete, erst kürzlich" ausgeschiedenePflug mit hölzernem Streichbrett ist in die ethnographischeSammlung des Grafen Dzieduszycki eingegangen.

Er ist ein relativ einfaches, bloß mit den Grundelementen ausge-stattetes Gerät. Der aus einer metallenen Pflugschar und einemhölzernen Streichbrett bestehende Pflugkörper ist über denPflugbaum mit den Rädern und der Anspannvorrichtung verbun-den. Vor dem Pflugkörper ist am Pflugbaum ein dolchförmigesSech( Pflugmesser) befestigt, zum senkrechten Abtrennen desErdbalkens. Zur Führung des Gerätes durch den Menschen gehtder Pflugbaum in die gabelförmige Sterze über.

Ursprünglich war nur die mittlere Region des Landes sowie Podo-lien und Pokutien Ackerbaugebiet. Im Bergland, bis weit ins Vor-gebirge und die daranstoßende Ebene wie auch in der Waldregi-on an der Nordgrenze Galiziens herrschte Viehzucht und Wald-wirtschaft vor. Hier erfolgte die Entwicklung zum Agrarland erstsekundär. Dieser Situation entsprach der technische Stand derBodenbaugeräte. Ein Lernprozeß und die Übernahme fremderGeräte und Technologien im Ackerbau waren ein dringendes Er-fordernis.

Das Beispiel des fortschrittlichen Anbaues auf den landtäflichenBesitzungen, an dem die Kleingrundbesitzer und ihre Familien alsLohnarbeiter theilnehmen, die Bemühungen der landwirtschaft-lichen Vereine, endlich in den letzten Jahren auch die Belehrun-gen seitens der landwirthschaftlichen Wanderlehrer haben be-wirkt, daß die Bestellung der Äcker eine bessere geworden ist unddie ungenügenden althergebrachten Geräthe: das radło= Rühr-hacken[ Furchenzieher] und ebenso der frühere Pflug, nach demVorbilde des landtäflichen Besitzes neueren Geräthen fremdenUrsprungs den Platz geräumt haben."( ÖUM, 806)

Der weitaus überwiegende Theil des landtäflichen Besitzes hatsich die Fortschritte des modernen Ackerbaues in Bezug aufAckergeräthe und Maschinen, sorgfältigere Bearbeitung des Bo-dens, Behandlung des Düngers und Anwendung künstlicherDungmittel u.s.w. im Großen und Ganzen angeeignet und erzieltwesentlich höhere Erträge. Der Kleingrundbesitz hat auch dieprimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Geräthe, den Rührhacken( radło), die socha[ Haken-pflug] und zum größten Theile auch den alten bäuerlichen Pflugaufgegeben."( ÖUM, 810)

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Zygmunt AJDUKIEWICZ

Viehaustreiben bei den Podhalanen im Frühjahr

sig. Zygmunt Ajdukiewicz"Ölskizze( Grisaille)

32,5 cm x 40,2 cm

Pk 1131/3

Lit.: ÖUM, 807

Abb. im Bildteil

Ein Stimmungsbild aus dem Tatragebirge, das Podhalanen beiihrer angestammten Beschäftigung, der Viehhaltung, zeigt. Hierkonnte sich reiches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum ausbilden. Die Aussage und At-mosphäre des Bildes ist dementsprechend dicht. Viehzucht ist dieden klimatischen und geographischen Bedingungen der Regionadäquate Wirtschaftsform.

Die Podhalanen beschäftigen sich meistentheils mit der Vieh-zucht, wo sie mit den Herden auf den Alpenwiesen herumziehen,die den Thieren eine vortreffliche aromatische Weide bieten." Vor-zugsweise züchten sie Schafe, die sie aber gemeinsam mit demRindvieh, Pferden und Ziegen während der kurzen Sommerzeitauf die hochgelegenen Weiden, die Halen, führen.( J. Jandaurek,1884, S. 51) Die Schäferei auf den Halen hat ihren ganz eigenarti-gen Charakter und Reiz." Selbst Dörfer, die drei bis vier Meilen weitentfernt liegen, haben ihre Halen im Tatragebirge.( ÖUM, 272)Das ganze Dorf ist am Austreiben des Viehs auf die Almen( Halen)interessiert. Kaum bringen die, welche man nach den Bergenaussandte, die freudige Nachricht, daß das Gras hoch gewachsensei, was erst zu Ende des Mai oder zu Anfang des Juni eintritt, sorührt sich die ganze Bevölkerung des Dorfes, man reinigt die zurWirtschaft in den Sennhütten( Szalaße) nöthigen Gefäße, manmietet die Hirten( Bacen oder Juhaßen), die Erfahrenen ertheilenRath, wie man sich bei schlechtem Wetter, gegen Wölfe u.s.w. zuverhalten habe."( J. Jandaurek, 1884, S. 51 f.)

Zur Zeit des Austriebs wählen die Hauswirte( gazda) einen Ober-schäfer( bac), der ihr Vertrauen besitzt, und übergeben diesem dieHerde. Das Kronprinzenwerk bringt eine sehr lebhafte verbaleSchilderung des Geschehens, das Zygmunt Ajdukiewicz, unab-hängig davon, aus einem anderen Erleben, im Bild festgehaltenhat. Es ist eine Momentaufnahme" beim Aufstieg der Gruppe; ander Spitze der bac, daneben führt ein Hirte das Pferd mit demHausrat, es folgt die Herde und am Rande die geigenden juhas".,, An dem bestimmten Tage, wie ein Augenzeuge erzählt, treiben alleGazdas ihre Herden auf einen Platz, zählen mit dem Bác die Stückeund übergeben sie seiner Verantwortung. Der Bác besprengt dieganze Herde( Kierdel, vom deutschen Herde) mit Weihwasser,macht mit seiner Ciupaga( axtförmiger Stock) ein Kreuz auf denWeg und es beginnt der Aufstieg unter dem Brüllen des Hornviehs,dem Blöken der Schafe, dem Klingeln der Schellen, dem Bellen derHunde und dem Musiciren der Juhás auf ihren Hirtenpfeifen, Sack-pfeifen oder Geigen. So wandern sie über steinige Pfade, durchdunkle Wälder, über Bergesgipfel und Klüfte, waten durch Berg-wässer, immer höher hinauf zu den Koliben( Feldhütten) der Hala.Es rückt die weiße Herde der Lämmer mit den schwarzen Fleckendarin, den Widdern, hinan, es folgt das Hornvieh mit den unge-heueren Messingschellen läutend, Pferde tragen auf ihrem Rückenverschiedene Haus- und Melkgeräthe. Und hinter dem allen schrei-tet der Bác mit seinem langen, gekräuselten Haar, den, wie ein Mie-der breiten, von eingeschlagenen Knöpfen und Messingschnallenglänzenden Gürtel fest um den Leib geschnürt, neben ihm einweißer, zottiger Schäferhund; dann die Juhás mit ihren schwarzen,fettgetränkten Hemden, den Hüten, die von Fett und Schmutz wieWachstuch glänzen, in ihren, vom Unwetter und vom Rauch derFeldfeuer fuchsig gewordenen Cuhas( eine Art Tuchkittel) mit dengelb gewordenen weißen anschließenden Hosen und den unge-heuren Wollschnappsäcken mit den langen Fransen. Die Juháski( Schäfermägde) in orangegelben Tüchern, im knapp anschließen-den Serdak( eine kurze, sehr kleidsame Tuch- oder Pelzweste ohneÄrmel) in ihren granatfarbenen Röcken und gleich dem Bác undden Juhás in Kierpzen( selbstgenähten Fellschuhen). Ein seltenerAnblick!"( ÖUM, 272-274)

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