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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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über den Verschanzungen, in ihrer Gesellschaft befinden sichachteckige, auf Consolen vorgeschobene kleine Wachtthürme. Imoberen Stockwerke des Schlosses gibt es eine Loggia und die Stel-le des alten Treppenhauses nimmt eine Kapelle ein.( ÖUM, 718)1400 von Podhorecki gegründet, wurde das Schloß im 17. Jahr-hundert für den Kronhetman Stanislaus Koniecpolski im Renais-sancestil erbaut. Von 1682-1725 befand es sich im Besitz vonJakob Sobieski( dem Sohn König Johanns III. Sobieski) undwurde für ihn erweitert und verschönert. Als späterer Eigentümerist Graf Wacław Rzewuski als besonderer Förderer der Künste zunennen. Er besaß in dem Palast ein nach dem technischen Standder Zeit ,, modern" eingerichtetes Theater mit Bühnenmechanis-mus. Zwischen 1754 und 1767 fanden dort Theateraufführungenstatt.( Polski słownik biograficzny. 34. 1992-93. S. 178)

Archiv, Bibliothek und Bildergalerie sowie eine Sammlung vonKunst- und Schmuckgegenständen gehören zum wertvollen Be-stand des Schlosses, das Ende des 19. Jahrhunderts restauriertwurde. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war der PalastEigentum des Fürsten Eustachy Sanguszko. 1914 wird das Schloßnoch als der einzige unversehrt erhalten gebliebene MagnatensitzRutheniens bezeichnet. Nach dem zweiten Weltkrieg ist dasSchloß durch Brand zerstört worden.( Wielka encyklopediapowszechna. 8. 1966. S. 779 f.)

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Julian von ZACHARIEWICZ

Die hölzerne griechische Kirche in Rozdól am Dniestr beiŻydaczów( 17.Jahrhundert)

Bleistiftzeichnung, laviert

16,1 cm x 19,0 cm

Pk 1131/2373

Lit.: ÖUM, 669

In winterlicher Ruhe, von Schnee bedeckt, präsentiert sich diegriechische Kirche in Rozdól als eines der schönsten Beispieleruthenischer Sakralbauten in Holzarchitektur. Ähnlich wie dierömisch- katholischen Kirchen ihren gemauerten gotischen Vor-bildern folgen, so stellen die hölzernen ruthenischen Kirchen dasAbbild der gemauerten spätbyzantinischen Gotteshäuser dar. ImGrundriß entspricht diese Kirche dem System der Kreuz-anordnung. Der Bau wird von drei hintereinander gesetzten,zwiebelförmigen Kuppeln gekrönt. Jede von ihnen trägt eineschlanke Laterne und Kreuze. Die äußerst kunstsinnige Gliede-rung der Kirche in all ihren Dimensionen, der Länge, Breite undHöhe, brachten ihr besonders malerisches Aussehen hervor. Diequadratische Grundform der Schiffe unterteilt sich im Aufbau inungleich hohe, durch Wetterdächer( Regentraufen) abgesetzteStockwerke. Diese gehen in 3 achteckige Tamboure über, die ih-rerseits von den genannten Kuppeln bedeckt werden. Das starkeHervortreten des Dachsaumes, der in der untersten Ebene dieLaubengänge( soboti) vertritt, sowie die Frontgalerie auf demStockwerk erhöhen den optischen Reiz dieser Holzkonstruktion.Der Längsabschluß durch ein vieleckiges Presbyterium vollendetdie Harmonie.( Vgl. ÖUM, 670)

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Rudolf BERNT

Das Wappen von Galizien

sig., R. Bernt"

Tuschzeichnung

15,0 cm x 17,8 cm

Pk 1131/229

Lit.: ÖUM, 238

Abb. auf dem Umschlag

,, Das Königreich Galizien( Galitsch, polnisch Halicz), ehemals einrussisches Theil- Fürstenthum, kam 1340 mit dem Königreiche Lo-domerien( Wladimir, polnisch Włodzimierz) an Polen. Bei der er-sten Theilung dieses Reiches 1772 fielen beide Königreiche an dasErzhaus[ Österreich], welches als Nachfolger der ungarischen Kö-nige deren Oberhoheitsansprüche erneuerte. Galizien führte ehe-mals drei goldene Kronen im blauen Felde; nach der Titelregu-

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lirung im Jahre 1804 wurde eine rothe Binde mit einer auf ihrschreitenden schwarzen Dohle, angebliche Wappenfigur desLandes Halicz, in das Wappen aufgenommen.... Der Schild von Ga-lizien trägt eine Königskrone.( H.G. Ströhl, 1900, S. 7 u. Taf. VII)

Alltagsleben und Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen

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Piotr STACHIEWICZ

Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen( Bauernfamilie aus der Gegend von Krakau)

sig. ,, Piotr Stachiewicz"Bleistiftzeichnung17,9 cm x 23,2 cmPk 1131/2149Lit.: ÖUM, 239

Abb. auf der Rückseite des Titelblatts

Eine Krakauer Bauernfamilie im Brustbild; aus der Mitte des Bil-des tritt das Familienoberhaupt heraus. Der polnische Bauer istgewöhnlich von mittlerem Wuchse, kräftig und sehnig gebaut,breitschulterig, hat einnehmende, oft sogar schöne Gesichtszügeund besitzt eine reiche geistige Begabung."( ÖUM, 255) Heiterkeitund eine gewisse Würde sprechen aus dem Gesicht.( Der Schnurr-bart deutet sein mittleres Alter an.) Seine Erscheinung wird durchdie sehr geschmackvolle und kleidsame Tracht unterstrichen. DasObergewand ist eine lange sukmana"( Mantel) aus weißem Woll-stoff, mit roten Stickereien und roten Quasten, mit Stehkragen.Ein breiter Ledergürtel hält das Kleidungsstück zusammen. Im of-fenen Ausschnitt wird die mit kleinen Knöpfen geschlosseneknielange Jacke( im Polnischen auch kaftan" genannt) sichtbarund darunter der Kragen des weißen Leinenhemdes.

Um diesen Mann gruppiert sich die weitere Familie, deren männ-liche Mitglieder verschiedene Altersstufen repräsentieren, alle inihre jeweils individuelle sukmana" gekleidet. Ganz rechts derjüngste Sohn mit dem charakteristischen, schwarzen Filzhut mitschmalem Rand. Der Hut wird nach oben schmäler und ist miteinem breiten, bunten Band und zwei Pfauenfedern geschmückt.Daneben der alte Bauer mit sukmana und langem Haar, dochohne Kopfbedeckung. Ganz links schließlich ein junger Mann,den Rücken dem Betrachter zugewandt, mit der magierka" aufdem Kopf, einer ebenfalls typischen, schafwollenen Mütze. Zwi-schen ihm und dem Familienoberhaupt vermutlich dessen Frau,die aktive Bäuerin, den Kopf mit einem weißen Tuch turbanartigumwunden. den Kopf der Verheirateten bedeckt eine Artweißen Turbans mit Stickereien."( J. Szujski, 1882, S. 13)

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