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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
Seite
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Sack, eine oder mehrere Glocken, ein grüner Zweig zum Zeichender Lähmung und ein Instrument bildeten ihre Ausstattung. Zuihrem Wesen gehörte notwendig ein körperliches Gebrechen,daher ,, Kaleki( Lahme), ślepcy( Blinde); sie pflegten zum Zeichendieses Merkmales ein grünendes Reis in der Hand zu tragen, wasmit der Zeit zur stehenden Sitte wurde. Doch waren sie keines-wegs Bettler im eigentlichen Sinne des Wortes," es ging ihnen sehrgut. Wo immer sie auftraten, scharte sich Jung und Alt um sie,nicht nur des Liedes wegen, sondern auch aus Neugier. Alleswußte ein solcher Sänger. Er verkehrte an den Fürstenhöfen undden Höfen der Bojaren, er kannte die neusten Kriegsgeschichtenund Ereignisse, er wußte aber auch Lieder gegen Regen, gegenDürre und verschiedene Krankheiten. Diese Alleswisser warenstets willkommen. Der Sack des Wandersängers wurde niemalsleer, er lebte geehrt und geachtet, ohne Sorgen."( ÖUM, 540)

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Julian FAŁAT

Ein polnischer Dudelsackspieler im Gebirge

sig. Jul Fatat"

Tuschzeichnung

43,8 cm x 28,0 cm

Pk 1131/802

Lit.: ŎUM, 551

Abb. im Bildteil

Der Eindruck der Bergwelt der Karpaten, von einem Goralen un-termalt mit der Melodie des Dudelsackes( kobza, duda), wirdeiner Gruppe von Wanderern zum Erlebnis. Das Spiel des Dudel-sackes bringt den Hirten Unterhaltung und bietet sich auch alsTanzmusik an. In seiner Funktion ist der Dudelsack ein mehrtoni-ges Blasinstrument, das aus einem ledernen Windsack besteht,der durch ein Mundrohr aufgeblasen und gleichzeitig unter demArm zusammengedrückt wird, wodurch die Luft in die Schalmei-rohre strömt.

Der Duda( Dudelsack) ist in den Karpathen und in Pokutien imGebrauch."( ÖUM, 547) Die Lieder und Tänze des polnischenKarpathen- und Tatravolkes können als Verbindungsglied zwi-schen der polnischen und ruthenischen Volksmusik angesehenwerden."( ÖUM, 556)

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Piotr STACHIEWICZ

Dorfmusikant aus der Gegend von Nowy Targ( Neumarkt)sig. P- Stachiewicz"

Tuschzeichnung

20,7 cm x 25,5 cm

Pk 1131/2150Lit.: ÖUM, 566

An den Schluß des Kapitels zur Musik und Volksmusik stellt Sta-chiewicz den Dorfmusikanten mit dem Kontrabaẞ( der Baẞgei-ge) als verbindendes Symbol für das musikalische Geschehen beiPolen und Ruthenen. Die Geige ist zugleich grundlegendes Sym-bol sowohl für die hohe Schule der Musik als auch für die Volks-musik. Die Geige schlechthin gilt als wichtigster Klangträger einesOrchesters. Der Kontrabaß ist das Baẞfundament eines Orche-sters und wegen seiner guten Verschmelzungsfähigkeit auch Baẞ-instrument bei Bläserensembles und Blasmusikkapellen. DerDorfmusikant mit der Geige darf bei keinem Fest und keiner Un-terhaltung fehlen, wie schon einige Bilder von Hochzeit und Tanzgezeigt haben.

Volkswirtschaft

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Walery ELIASZ- RadzikowskiEin Tatrabewohner seine Sense schärfendsig., dat. und bez. Zakopane 5/9 1893 WEljasz"Tuschzeichnung mit Weißhöhungen

14,9 cm x 24,3 cm

Pk 1131/784Lit.: ŎUM, 797

Walery Eliasz spricht in diesem Bild zur Einleitung des Kapitels,, Volkswirthschaftliches Leben die Wirtschafts- und die Sozial-struktur des Landes an. In Zakopane entworfen, stellt die Tusch-zeichnung einen Goralen beim Dengeln seiner Sense dar. Das ge-schieht auf ganz einfache Weise, bloß mit einem Dengelhammerohne Amboẞ; vermutlich dient ein Stein als Unterlage.

In seinem wirtschaftlichen Aufbau kann Galizien als Agrarlandbezeichnet werden. Es nahm den zweiten Platz unter den öster-reichischen Kronländern ein, deren Haupterwerbszweig dieLandwirtschaft darstellte. Lediglich Dalmatien wies einen höhe-ren Prozentsatz an landwirtschaftlicher Bevölkerung auf.

Mit der Darstellung eines Bergbewohners rücken auch die kargenLebensbedingungen, die triste soziale Situation der Goralen insBlickfeld und damit die Notwendigkeit, sich in verschiedenen Er-werbszweigen zu bewähren. Jener versucht es mit Saisonarbeit. Der Gorale ist gewandter, arbeitsamer und flinker als der Be-wohner der Ebene. Sein gebirgiges Land, das außer Hafer nichtsweiter gedeihen läßt, zwingt ihn in der Ebene sich sein Brot zu su-chen, Der Gorale ist ein geschickter Tischler, Zimmermann,Böttcher und führt Schindeln und Latten auf den Markt der Städ-te; ein anderer bearbeitet Mühlsteine; ein dritter nimmt die Sensein die Hand und schreitet als fleißiger Mäher in das Hügellandherab,... Erst spät im Herbste kehren sie mit ihrem kärglichen Er-werbe in die geliebte Heimat zurück."( J. Jandaurek, 1884, S. 49 f.)

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Roman KOCHANOWSKIBauernhaus im Bezirk Kolomea

sig. ,, RK."

Bleistiftzeichnung

15,4 cm x 25,6 cmPk 1131/1171Lit.: ÖUM, 799

Roman Kochanowski bringt nochmals ein Huzulengehöft ausdem Gebiet von Kolomea zur Darstellung. Der charakteristischeZaun aus langen waagrechten Stangen und senkrechten Pflöckenumgibt das Wohngebäude links und das Wirtschaftsgebäude samtkleinen Speicherbauten, rechts im Bild. Das Dach ist abgewalmtund mit langen Latten( dranyci), die gespalten und nicht gesägtwerden, gedeckt. Im Hofbereich beleben einige Bäume die Szene.