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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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Zum Geleit

Seit Speusippos, ein Schüler Platons aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, damit begann, die Gesamtheit des Wissens ineinen systematischen Zusammenhang zu bringen, gibt es enzyklopädische Unternehmungen. Dazu gehören auch große Biblio-theken wie die ehemalige Wiener Hofbibliothek und heutige Österreichische Nationalbibliothek. Als zentrale Bibliothek des Rö-mischen Reiches Deutscher Nation war sie eine Universale Bibliothek aller Bücher".

Zu den größten Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek gehört auch die Doppelsammlung Bildarchiv,Porträtsammlung/ Fideikommißbibliothek. Unter ihren 1,8 Millionen Bilddokumenten verwahrt sie u.a. auch die Originalvorlagenzum sogenannten Kronprinzenwerk, dem vierundzwanzigbändigen Werk Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wortund Bild". 432 Autoren und 264 bildende Künstler haben an dem gewaltigen enzyklopädischen Unternehmen mitgewirkt, das aufAnregung, aber auch unter Mitwirkung Kronprinz Rudolfs entstanden ist, jenes allseitig interessierten, fortschrittlich denkendenKaisersohnes, dessen tragisches Ende in Mayerling damals die Welt bewegte. Der formale Anspruch des Werkes war so hoch wieder politische: Es sollte zum besseren gegenseitigen Verständnis der einzelnen Völker beitragen und zur Einsicht führen, daß ,, dieVölker Mitteleuropas aus wirtschaftlichen Gründen und solchen der politischen Stabilität auf eine enge Zusammenarbeit ange-wiesen sind", wie es der Slowake Milan Hodža damals ausdrückte. Diese Einsicht ist heute wieder aktueller denn je und war dennauch ein wesentliches Motiv für die Präsentation der Ausstellung des Galizienbandes des Werkes in Lemberg und Krakau, wo siedarüber hinaus als willkommener Beitrag zur Wiedergewinnung der eigenen Geschichte und kulturellen Identität verstandenwurde.

Ein wesentlicher Teil des Kronprinzenwerkes befaßt sich mit volkskundlichen Themen. Es lag daher nahe, die Ausstel-lung, die bereits in Lemberg und Krakau mit volkskundlichen Exponaten ergänzt worden war, in einem Volkskundemuseum zuzeigen. Ich danke daher Direktor Dr. Grieshofer und seinen Mitarbeitern herzlich für die Übernahme der Ausstellung und ihrefachkundige Präsentation in den Räumen des Österreichischen Museums für Volkskunde. Es ist bei dieser Gelegenheit daran zu er-innern, daß es dieses Museum mit seiner Außenstelle in Kittsee war, das unter seinem Direktor Dr. Beitl schon vor 1989 durch Aus-stellungen und persönliche Kontakte viele Brücken zu Institutionen und Personen in den damals kommunistisch regierten Län-dern knüpfte.

Dr. Hans MarteGeneraldirektor der

Österreichischen Nationalbibliothek

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