Druckschrift 
Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

KATALOG

IRENE KOHL

Landschaft und Architektur

1

Rudolf BERNT

Teilansichten des Ringplatzes in Krakau

sig. ,, Rud. Bernt"

Tuschzeichnung

24,2 cm x 16,3 cm

Pk 1131/221

Lit.: ÖUM, 3

Rynek Główny": Zwei Perspektiven des mittelalterlichen Markt-platzes( Ringplatzes), der im 13. Jahrhundert als Quadrat ange-legt, bis heute der Salon der Stadt geblieben ist. Als Ringplatzwurde er bezeichnet, weil von hier aus die Hauptstraßen strah-lenförmig zu dem einstigen Ring von Festungsmauern verlaufen.In der Weite des 40.000 großen Platzes wirken die Adalbertkir-che und der Rathausturm klein und zierlich, so daß Rudolf Berntsie einzeln ins Bild brachte und die Stimmung des hier pulsieren-den Lebens festhielt.

1.) Blick gegen die Südostecke des Platzes mit der romanischenAdalbertkirche nahe der Grodzka- Straße. Der Platz wird vongeschichtsträchtigen Bauten, Bürgerhäusern und Palais ge-säumt. Im Vordergrund die Blumenstände, wie sie bis heutezum charakteristischen Bild des Platzes gehören.

Die kleine einschiffige Kirche steht auf präromanischen Fun-damenten aus dem 11. Jahrhundert mit den ursprünglichenMauern aus Kalksteinblöcken und einem Portal aus dem12. Jahrhundert. Die Kupferkuppel und die Innenausstattungstammen aus dem 17. Jahrhundert.

2.) Blick in die Südwestecke des Marktplatzes( Ringplatzes), wowir heute bloẞ den Turm des Rathauses vorfinden. Der Künst-ler hält eine Ansicht fest, die uns den Zustand zu Ende des19. Jahrhunderts in Erinnerung ruft, und zwar den Rathaus-turm mit, neu" angebauter Militärhauptwache.

1383 errichtet, wurde das Rathaus im 16. und 18. Jahrhundertverändert und schließlich 1818 abgerissen. Bestehen blieb dergotische Turm aus dem 14. Jahrhundert mit einem spätgoti-schen Portal und einem barocken Helm aus dem 18. Jahrhun-dert.

Dazu der Text im Werk selbst:

,, Unweit der Tuchhalle ragt ein Thurm empor, der einzige Über-rest des zerstörten Rathauses. Verschwunden sind die weitläufi-gen Gebäude, welche sich ehemals- noch zu Beginn des XIX.Jahrhunderts in seiner Nähe befanden, verschwunden auch diemeisterhaft verfertigte Uhr, an der nach mittelalterlichem Brauchallegorische Figuren hervortraten, welche die Stunden anzeigten.Der gothische Thurm, heute des größten Theiles seiner Zierdenberaubt, mit einer späteren Bedachung abschließend, steht nunvereinsamt und traurig da,..."( ÖUM, 16)

Anfang des XV. Jahrhunderts. Der Ziegel ist von außen durchSteintäfelung verdeckt, aus der ein durch Bogen verbundenesZinnenwerk gemacht ist, das längs der ganzen Mauerkrone sichhinzieht. Oben findet sich noch ein Vorsprung, der den altenWehrgang( Wachgang) bildete, und Spuren gothischer Fenster.Im Oberstocksaale befindet sich ein Haustein- Fries, dessen Blatt-ornamente von der Erhabenheit des alten, diesem Thurmebenachbarten Rathhausbaues, der heute nicht mehr besteht,Zeugnis gibt."( ÖUM, 684)

2

Anton WEBER

Die Barbakane( Rondell) in Krakau

sig. u. dat. ,, A Weber 95."Aquarell( Grisaille)19,9 cm x 25,8 cmPk 1131/2312Lit.: ÖUM, 9

Die Barbakane ist ein gotischer Wehrturm, der als Vorbau mitdem nördlichen Teil der Befestigungsmauern verbunden war. Alszylindrischer Ziegelsteinbau mit Innenhof wurde dieses ,, Rondell"ursprünglich durch eine Brücke über den Graben hinweg mitdem Florianitor verbunden. Die Barbakane, 1489-1499 als präch-tigster Bau dieser Art errichtet, ist heute eines der ganz seltenen,noch vorhandenen Beispiele mittelalterlicher Wehrarchitektur inMitteleuropa. Das Rondell war mit Schießscharten zu vier Ge-schossen, einem Wehrgang im obersten Geschoß und siebenspitzbedachten Türmchen ausgestattet.

Das Bild Anton Webers vermittelt uns einen Eindruck vom Endedes 19. Jahrhunderts, als die Stadtmauern bereits geschliffen undan ihrer Stelle Grünanlagen aufgewachsen waren, die zum Flanie-ren einluden. So auch im Vordergrund ein Paar in städtischerKrakauer Tracht.

Das Kronprinzenwerk beschreibt wie folgt: Dem Florianithoregegenüber steht bis jetzt eine am Ende des XV. Jahrhunderts er-baute Barbakane. Es ist dies... ein runder Vorbau, der einen Hofumschließt und ein vorgeschobenes Festungswerk bildet. DieBarbakanen waren dazu bestimmt, den Bürgern einer belagertenStadt die Möglichkeiten zu geben, den an die Stadtmauer ange-langten Feind mit Schuß und Steinwurf zu belästigen und aufdiese Weise das Eingangsthor zu verteidigen. Das sogenannte, Rondell ist etwas verstümmelt, es steht nicht mehr in Verbin-dung mit der, Porta S. Floriani', es steckt auch zum Theile unterder Bodenfläche der heutigen Stadt. Trotz alledem gehört es zuihren größten Sehenswürdigkeiten, zu den seltensten erhaltenenBeispielen mittelalterlicher Vertheidigungskunst. Mit ihrenschlanken Thürmchen, mit ihren Schießscharten trägt die Barba-kane sehr viel dazu bei, die culturhistorische und malerischeBedeutung Krakaus zu heben."( ÖUM, 8)

Im Kapitel zur Architektur heißt es:... das sogenannte Florianer-thor,... Es stand in unmittelbarer Verbindung mit dem nach vornevorgeschobenen Thorschirm und war mit ihm durch einen Wegzwischen den Mauern, die heute fehlen, verbunden. Es ist hier vomsogenannten Barbakan die Rede, welches die Stadt ganz am Ende

Das Kronprinzenwerk gibt auch eine kurze Beschreibung zurArchitektur: Der sogenannte Rathhausthurm ist ein Bau aus demAbkürzung: ÖUM= Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild.[ Bd. 14:] Galizien. Wien 1898.

50