Rudolf Kriss übersiedelte 1936 seine längst berühmt gewordeneKollektion als„ Sammlung für deutsche religiöse Volkskunde"in die Wiener Hofburg. Dort wurden in den nächsten Jahrendie Grundlagen für eine moderne Gestaltung volkskundlicherSammlungen ausgearbeitet, Muster von Orts- und Sachkarto-theken angelegt, die noch während des bald heraufziehendenKrieges bekannt werden sollten. Die von mir entworfene ,, Orts-partitur"( Verweiskatalogsystem) wurde in Salzburg bereits ein-geführt, als sich in der Laudongasse noch niemand dafürinteressierte.
Dort brachte das Jahr 1938 manche Bewegung. Die nunmehreingesetzte zentrale Musealverwaltung belebte die lange Jahreverstockte Verwaltung und schuf vor allem ein engeres Ver-hältnis zum Staat: Alle Beamte und Angestellten wurden demStaat unterstellt, für die Sammlung selbst die Verstaatlichunggeplant. In das Auf- und Ausstellungswesen konnte freilich inden knappen Friedens- und ersten Kriegszeiten nach 1938niemand eingreifen. So ließ man es eben einstweilen nichtanders, als es bisher war, nur die jüdischen Kultgerätemuẞten den Blicken der Öffentlichkeit entzogen werden. In dieden Tschechen und Slowaken gewidmeten Räume wurde eineTafel gehängt, die von der Volkskultur im deutsch- slawischenGrenzgebiet sprach. Und ganz nebulos plante man, dem Museumwieder einmal einen neuen Titel zu geben. Da nun einmaldas Berliner Museum unter der tatkräftigen Leitung von KonradHahm als ,, Museum für deutsche Volkskunde" deklariert war,wollte man als ,, Museum für deutsche Volkskultur im Donau-osten" bezeichnet werden. Daß man einstmals in Ungarn nichthatte sammeln können und daher gerade von den Deutschenim Südosten, den Donauschwaben und Siebenbürger Sachsenusw. kaum irgendwelches Material besaß, verschlug dabeinichts. Es ging immer nur darum, die altgewohnte Aufstellungwomöglich nicht verändern zu müssen.
Aber dann kam 1939 der Krieg und bald mußten die Schau-räume eben doch geleert werden. Die Objekte wanderten in die
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