Aufschließung der Sammlung, zur Schaubarmachung beitragenkönnen, wenn man seine Methode, ja, sogar seine Gewährs-männer und selbstverständlich auch seine Bearbeiter dafürheranzuziehen versucht hätte. Haberlandt hatte nach dem Vor-bild Wilhelm Peßlers und mit dem Material Anton Dachlersund anderer älterer Bauernhausforscher eine große Typen-Flächenkarte des deutschen Bauernhauses geschaffen. Aufdiesem Weg, mit den durch das Atlas- Unternehmen verfeiner-ten Methoden, hätte sich weiterarbeiten lassen. Aber keineinziges der vielen Teilgebiete wurde auf diese Weise erschlos-sen, es wurde weder das Material dafür vorgesammelt, nochwurden Schaukarten für die Sammlung versucht, obwohl dochgerade in diesem Museum alle Räume nach solchen Aufschlüsse-lungen verlangten.
Dazu kam noch, daß ein ganz persönlicher Anstoß in dieserHinsicht an das Museum herantrat. Rudolf Kriss, Schüler vonMarie Andree- Eysn und selbst bereits erfolgreicher Sammlerauf dem Gebiet des Volksglaubens, vor allem des Votivwesens,begann am Museum zu hospitieren. Seine zu großen Teilenauf persönlich erkundetem Material aufbauenden ersten Bücherüber die Kröte als Sinnbild der Gebärmutter( 1929) und überden volkskundlichen Bestand der Wallfahrtsstätten in Altbayern( 1930) erschienen soeben, und sie waren durchwegs mit Fund-karten ausgestattet, welche die Möglichkeit des Darstellensvon solchen Opfertypen in kleineren und größeren Landschaftenerwiesen. Von den verschiedenen Methoden, die man späterhinfür die Volkskunde namhaft machte, war also die„, geo-graphische" in ihr entscheidendes Stadium getreten. Ihremuseale Anwendung mußte kommen. Dennoch unterblieb siein Wien zunächst.
In den politisch erregten Zeiten der mittleren dreißiger Jahrewar offenbar die Bereitschaft zu einem derartigen Innenausbaunicht gegeben. So konnte es kommen, daß in Wien sogar jenevolkskundliche Spezialsammlung Quartier fand, die für derartigerein fachliche Versuche bei weitem aufgeschlossener war:
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