Objekten in Wirklichkeit kaum die Rede sein. Die Möbel wur-den im Gegenteil durch völlig laienhafte Behandlung oft gründ-lich verpfuscht. Die Aufstellung, die so hervorgehoben wurde,muẞte mit den uralten Vitrinen vor sich gehen, die man schonin der Börse von älteren Vorgängern übernommen hatte. Dieunansehnlichen Gebilde wurden noch dazu innen mit kriegs-mäßigem Papierspagatstoff bespannt, der alles trüb und grau-braun erscheinen ließ, und den Staub geradezu anzog. Die Be-leuchtung bestand aus einzelnen Birnen unter gläsernen oderblechernen Küchenlampenschirmen, die an dünnen, bald staub-geschwärzten Drähten baumelten. Dazu zwang die Raumnotauch in diesem Gebäude, Kasten, Pulte und auch Wände mitObjekten zu überladen, wenn man alles ausstellen wollte, wasman hatte. Und man stellte tatsächlich ungeheuer viel aus, umder Öffentlichkeit zu zeigen, was da war, um sich endlich vollrechtfertigen zu können.
Die Monarchie war zerfallen, das Berichtsjahr 1919 stand,wie überall in Staat, Gesellschaft und Arbeitsleben, so auchbei den wissenschaftlich- idealem Wirken hingegebenen Arbeits-gemeinschaften im Zeichen der ärgsten Behinderung und stetsgesteigerter Schwierigkeiten", wie es im Tätigkeitsbericht desJahres hieß. Man war dennoch verhältnismäßig guten Mutes,konnte man doch das Fest des fünfundzwanzigjährigen Be-stehens von Verein und Museum wieder im Frieden und nochdazu in dem neu erworbenen Museumsgebäude feiern. Es warinzwischen auch an den Räumen im Erdgeschoß gearbeitetworden, man konnte an den Abschluß der Arbeiten im Jahr1920 denken. Freilich mußte man schon wesentliche Teile desVereinsvermögens angreifen, um die aufgelaufenen Zahlungenbewältigen zu können. Aber man vertraute noch immer auf diealten Gönner, ja, es fanden sich noch weitere: Der Vater des1918 aus dem Leben geschiedenen großen Freundes des Hauses,Rudolf Trebitsch, der Kommerzialrat Oskar Trebitsch, überwiesdem Verein gemäß letztwilliger Verfügung seines Sohnes alsLegat den Betrag von 100.000 Kronen. Kaum hatte man diese
77